Die Gondel einer Geisterbahn kehrt zurück ans Tageslicht. Darin liegt ein reicher Mann, der gerade eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen hat. Er ist tot. Nun, das versprochene nackte Mädchen ist dies nicht, doch Alfonso Brescia versucht dies in Naked Girl Killed in the Park tatsächlich nachzuholen. Lange, nachdem die Familie über den ersten Schock hinweg gekommen ist.
Zunächst belästigt uns Brescia mit der Beleuchtung der Figuren und Intrigen, die auf ein klassisches whodunnit Krimimuster mit Drama-Einschlag zu zielen scheinen, mit dem ganz großen Problem, daß kaum ein Interesse im Zuschauer an diesem augenscheinlichen Versicherungsbetrug geweckt werden kann.
Mit dem Eintreffen des Versicherungssachverständigen beginnen selbstzweckhafte Sexszenen den Plot von Naked Girl Killed in the Park zu durchsetzen. Diese sind aufgrund der weiblichen Besetzung in der Tat dem Auge wohl gesonnen, leiden jedoch vornehmlich darunter, weder den Film hervorstechend zu dominieren, noch ein schlüssiges Spannungsverhältnis oder nur Prickeln aufzubauen, um schließlich eine, wenn auch fragwürdige, Wertigkeit anzustreben.
Plötzlich dann auf die letzten Minuten wird tatsächlich ein Bogen zur einleitenden Geisterbahn geschlagen. Die herzkranke Tochter des Hauses durchlebt einen schier albtraumhaften Horrortrip, der das Publikum kurzzeitig aus dem Delirium reißt. Ein Anflug von Stimmung, Spannung, die leider nur wie ein Fremdkörper an diesem erstaunlich drögen Werk haftet.
Mit einem Blick auf Brescias Filmographie findet sich nebst Naked Girl Killed in the Park zu jeder modischen Epoche des italienischen Kinos vom Sandalenfilm über Western zur Science-Fiction ein Beitrag. Mag Die Bestie aus dem Weltraum noch aufgrund der anrüchigen Elemente seine Fans besitzen, so erinnere ich mich doch, mich schmerzhaft durch Battaglie negli spazi stellari gequält zu haben. Dies ist zwar nur ein Auszug, legt aber doch den nahe, daß Alfonso Brescia für Auftragsarbeiten zu haben war, die Al Cliver einmal in einem Interview gegenüber Benedikt Samoa folgendermaßen beschrieb: "Irgendwie kratzen die Produzenten 50.000 $ zusammen um einen Film zu drehen. Nur um es nicht der Steuer zu geben. Verstehen sie? Irgendwer drehte lieber einen Film, als seine Steuern zu bezahlen. In Italien war so etwas damals möglich."
So ist Naked Girl Killed in the Park auch für den Fan ein Projekt zum abschreiben. Ein Film, den man sich am ehesten als wirklich schlechten Edgar-Wallace-Krimi vorstellen kann kann, substanzlos und unambitioniert. Auch der ganz nette Score schafft hier keine Abhilfe, mag er doch nicht mit dem Film zusammen passen. Schade ist es um den schönen Titel, welcher den Begriff Giallo auf den Punkt bringt wie selten.
Originaltitel: Ragazza Tutta Nuda Assassinata nel Parco
Europäischer Titel (Englisch): Naked Girl Killed in the Park
Produktionsland: Italien
Erstaufführung: 30.05.1972, Italien
Regie: Alfonso Brescia
Darsteller: Pilar Velázquez, Irina Demick, Teresa Gimpera, Howard Ross, Patrizia Adiutori, Adolfo Celi, Philippe Leroy, Franco Ressel, María Vico u.a.
OFDb, IMDb
vor 39 Minuten
Wir sind bei Brescia! Habe ich mir doch weiland den Film mit dem beachtlichen deutschen Titel "Die Frauen, die man Töterinnen nannte" auf VHS mehrmals zu Gemüte geführt, kann aber bisher nicht behaupten, ihn gesehen zu haben. Womit dahingestellt sei, ob man diesen Film im wirklichen Sinne konsumieren kann. Ziemlich dunkel, in jeder Hinsicht. Wenn der geschätzte Herr Intergalaktiker, furchtlos, wie er ist, sich auch hieran dereinst versuchen wird, wird dies bestimmt nicht nur mich freuen.
AntwortenLöschenPS: Pilar Velazquez ist einen Satz wert.
Ach, wenn Brescia mal die Verheißung eines seiner Werke wirklich einmal erfüllen würde. Ich kann vielleicht sogar mit Luigi Batzella noch mehr anfangen. Aber ja, auch Die Frauen, die man Töterinnen nannte interessiert mich. Nur kenne ich ihn bisher nicht. Über Pilar Velazquez ist mir leider auch nicht mehr als die Filmographie bekannt. Oder wie genau stelltest du dir die Erwähnung vor? :D
AntwortenLöschenIch bin einfach nur ein Fan hübscher B-D-Film Aktricen der 70er, und Mdme Velazquez (Spanierin, nehme ich an) macht in Mario Sicilianos "Blutige Magie" einfach eine gute Figur. Sie spielt auch eine putzige Nebenrolle mit irritierender Kurzhaarfrisur in einem Laura Gemser-Pseudo-Emmanuelle-Film eines spanischen Regisseurs, Genaueres ist mir da entfallen. Vielleicht hat ja irgendwer mal Lust auf einen Blog zur Würdigung der Eurotrash-Schauspieler dieser Periode; ich finde es interessant, daß einige eine konstante Karriere hatten bis in die 80er und weiter, während andere von der Leinwand verschwanden und WirtInnen oder sonstwas wurden.
AntwortenLöschensehr cooler blog ♥ Lieben Gruß ❤
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