Knallerei und Humor geht immer, besonders mit zwei Cops, das wird dann ein Buddy-Movie, so sagt man dazu. Und vielleicht weil Eddie Murphy mit Beverly Hills Cop so viel Erfolg hatte und mit dem dritten Teil der Reihe in den Kinos war, dachte sich irgendwer och, zwei lustige "Schwarze" sind dann bestimmt doppelt so lustig. Geplant war für Harte Jungs - Bad Boys dann ein Duo aus Martin Lawrence und Arsenio Hall, bis Michael Bay dann Hall durch Will Smith ersetzen ließ, nachdem er eine Folge von Der Prinz von Bel-Air gesehen hatte. Tatsächlich ist die Performance der beiden Protagonisten schließlich die klare Stärke von Bays Spielfilmdebüt als Regisseur.
Dazwischen wirft sich das Drehbuch von George Gallo, der mit seiner Arbeit an Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht schon einmal ähnlich schwierig aufgefallen war. Es beginnt mit einem Diebstahl einer überdurchschnittlichen Menge Drogen aus der gut gesicherten Asservatenkammer der Polizei. Es laufen interne Ermittlungen, denn der durchdachte Coup, von dem der Zuschauer leider zu wenig Details erfährt, kann nur durch einen Maulwurf gesteuert gewesen sein. Als es dann zu einem Mord kommt, dessen Zeugin der Schlüssel für die gesamte Aufklärung sein wird, muß eben jene Frau beschützt werden, was die beiden Protagonisten durch einen Rollentausch Gigolo gegen Familienvater lösen.
Die entscheidenden Hindernisse für Harte Jungs - Bad Boys, sind in den theoretischen Grundlagen zu suchen, die Gallo einfach nicht erfüllt. Ein Buddy-Movie funktioniert über die Gegensätzlichkeit der Figuren. Dabei geht es nicht um die Definition über die Hautfarbe der afro-amerikanischen Protagonisten, sondern den allgemeinen Habitus, indem die beiden Cops sich im Vergleich zu anderen Paarungen wie zum Beispiel aus Lethal Weapon einfach zu nahe sind, um außergewöhnliche Situationen zu schaffen. Nur weil der eine ein Familienleben führt und der andere eher auf sein Erscheinungsbild achtet und sich lieber ohne feste Bindung befriedigt, ist nicht zwangsläufig ein Motor für Running-Gags auf Spielfilmlänge gegeben.
Viel entscheidender ist jedoch, daß Lawrence und Smith in ihren offensichtlichen Improvisationen die biedere Vorgabe noch so gekonnt aufzulockern versuchen können, wenn ihre Gegenseite nicht ausgestaltet wird. Ein Held wächst durch die Charakterisierung des ihm entgegen gesetzten Bösen. George Gallo schafft jedoch ein nahezu schablonenhaftes Negativbeispiel für die Filmschule. Die Struktur der Gegner bleibt weitestgehend ein unbeachtetes Mysterium im Hintergrund. Zweifelsohne treten die Antagonisten in Erscheinung und fallen hier und dort gar durch kaltblütiges Vorgehen auf, jedoch werden nie ausreichend Informationen über die Hintergründe geliefert. Es geht schlicht funktional zu, indem die Figuren hin und her geschoben werden, um Vorgänge auszulösen. Eine begründende Whodunnit-Auflösung entfällt ebenso.
Die Folgerung kann so nur ähnlich ausfallen, wie bei Midnight Run, denn Schauspielern wie Actionästhetik fehlt hier eigentlich nur die Basis, auf die sie angewendet werden. Optisch wirkt Harte Jungs - Bad Boys hervorragend, gerade wenn man an das Budget denkt, welches mit 10 Millionen für Hollywood schon nicht gar so üppig ausfiel. Besonders jedoch die sich Gesäß und Mundwerk abspielenden Hauptdarsteller sind eine Wonne, so daß es einfach grausam ist, diese Momente nicht angemessen zu unterstützen. Dabei wäre es vermutlich fatal einfach gewesen, zumindest die Kriminellen mit ein paar markigen Zügen in ein Licht zu rücken, das der Darstellung der Helden gewachsen ist. Schade.
Originaltitel: Bad Boys
Deutsche Titel: Harte Jungs - Bad Boys, Bad Boys - Harte Jungs
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 07.04.1995, USA
Regie: Michael Bay
Darsteller: Martin Lawrence, Will Smith, Téa Leoni, Tchéky Karyo, Joe Pantoliano, Theresa Randle, Marg Helgenberger, Nestor Serrano, Julio Oscar Mechoso, Saverio Guerra, Michael Imperioli, Anna Levine u.a.
OFDb, IMDb, Wikipedia
vor 39 Minuten

Es scheint in der Tat der Hauptwiderspruch des Films zu sein, als Hauptdarsteller echte "Bad Boys" präsentieren zu wollen, aber gleichzeitig alle echten Ecken und Kanten abzuschmirgeln. Hab den Film schon länger nicht gesehen, aber verglichen mit Bays späteren Werken fand ich diesen und "The Rock" noch ganz leidlich. Müsste man also mal wieder ansehen und überprüfen.
AntwortenLöschenDer genaue Hergang der Handlung ist mir nur noch in groben Zügen in Erinnerung: "Bad Boys" war doch der Film, in dem Bay die Eröffnungsszene aus Jackie Chans "Police Story" geklaut, will sagen zitiert hat? Oder?
An "Lethal Weapon" habe ich auch öfters gedacht.
Jetzt hab ich natürlich Police Story schon seit wirklich drölfzillionen Jahren nicht gesehen, aber ich glaube du meinst Bad Boys II, kann das sein?
AntwortenLöschenDas ist mir jetzt etwas peinlich, du hast natürlich völlig recht, die Jackie Chan Szene kommt nicht im ersten Teil vor. Ich werde langsam alt. Aus diesem Grund habe ich gestern abend gleich auch "Bad Boys" nach langer Zeit mal wieder in den DVD-Player geworfen.
AntwortenLöschenEigentlich möchte ich alles nur unterstreichen, was du hier geschrieben hast, es bringt das Dilemma des Films gut auf den Punkt. Die Story und die Figurenzeichnung sind wirklich flach, nach der Logik (Hauptzeugin begibt sich selbst in höchste Gefahr oder wird von ihren Bewachern dorthin mitgeschleppt) sollte man nicht fragen.
Trotzdem funktioniert der Film auf einer sehr simplen Ebene. Er ist stylish fotografiert und zu Glück noch nicht so hektisch geschnitten, wie es später üblich wurde.
Irgendwie spricht der Humor den Vierzehnjährigen in mir an, die beiden sind ja auch in einem sehr sauberen Sinne "Bad Boys", das ist ja noch nichtmal ein wirklich schmutziger pubertärer Wunscherfüllungsfilm.
Bei Police Story haben schon 'ne Menge Filme geklaut. Spontan fallen mir da Tango & Cash sowie Rapid Fire ein. Bei Bad Boys kann aber eigentlich nur der zweite Teil gemeint sein. Die Amokfahrt durch die Hütten der Armensiedlung, right?
AntwortenLöschenVielen Dank für deine direkte "Anteilnahme". Auch dir kann ich im Grunde nur beipflichten, wobei man auch auf dem Niveau eines 14-jährigen ja noch Differenzen erkennen kann. :D
AntwortenLöschenGut, als ich 14 war, gab es Bad Boys noch gar nicht, aber im Grunde konnte man im dem Alter vielleicht noch nicht erklären, warum der eine Film nun schwächer ist als der andere, was jedoch nicht die reine Empfindung ausklammert.
Grundsätzlich begegnet man Filmen auf dieser Ebene sicherlich mit einer unbefangeneren Offenheit und hätte mangels Alternativen möglicherweise eine weit höhere Kategorisierung gewählt.
Was ich heute als guten Durchschnitt bezeichne (wie z.B. Bad Boys), ist ja nicht zwangsläfig schlecht. Es handelt sich aber freilich um eine Kritik, die sich der Film gefallen lassen muß.
Ich muß aber ferner ergänzen, daß mich Bay nur während der Laufzeit ein bisschen rum bekommt und ich während des Abspanns schon wieder voll in der Realität hocke, wenn andere Filme hingegen einfach dieses aufregende Kribbeln hinterlassen, mit dem man damals dann nach dem Ende den Saal verlassen hat. Dann habe ich den Duft der alten Plüschsitze und vom Popcorn in der Nase und will am liebsten wieder mit dem federnden Gang und dem Gefühl gerade das Abenteuer seines Lebens durchstanden zu haben den Nachhauseweg antreten.
Liegt das jetzt an mir oder dem Film?^^
@Bockel: Geil, ehrenvoll hoher Besuch mit fachkundiger Unterstützung. Ich bin begeistert. Und ich dachte schon, ich bekomm wieder auf den Deckel.^^
AntwortenLöschen@Ong-Bockel: Ganz genau die Szene meinte ich, danke. Dieses Zitat blieb mir in Erinnerung, da "Police Story" zu den ganz frühen Action-Offenbarungen meiner Jugend gehörte. Danach fühlten sich alle Schwarzeneggers und Stallones irgendwie "langsam" an. (Obwohl sie in ihrer Weise natürlich ok sind).
AntwortenLöschen@Ape-Man: Stimmt, das gibt gut den Eindruck wieder.
Obwohl ich mit dem frühen Bay noch ganz gut klarkomme (während die Transformers-Filme überhaupt nicht gehen), fehlt das letzte Stück, nennens wir mal: Hingebung.
"Bad Boys" habe ich jetzt erst zum zweiten Mal gesehen.