Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Dämmerschein

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde,

auch wenn ich hemmungslos nachzügle, so bin ich doch bei Nummer 10 der 52 Songs angelangt. Und immer wenn man denkt, daß es am Einfachsten würde, so stellt es sich als neue Herausforderung dar.

Wut. Was kann ich allein mit diesem Gefühl verbinden? Wut hat etwas mit Kontrollverlust, mit Ohnmacht zu tun. All dies sind Dinge, die ich nicht gerne habe. Lieber ist mir da noch ein loses, chaotisches Wechselspiel, bei dem man Chancen hat. Es gibt wütende Musik. Ich habe jahrelang sehr viel wütende Musik gehört. Das war vielleicht auch eine Kompensation. Ich muß aber gestehen, daß mir aufpeitschende Musik oft eher Anlaß ist, Energie zu finden. Und wenn es nur ein fast rauschartiges Hochgefühl ist, bei dem man über die Autobahn brettert.

Nein, Wut kann nicht, darf nicht aufpeitschend untermalt sein. Wut ist bei mir nah an der Trauer und der Angst. Es ist das Gefühl eines Ungleichgewichts. Wenn ich aber die Balance verliere, so muß ich mich doch sammeln und nicht zerstreuen. Ich will Abstand zum Bild gewinnen, um die Bausteine neu zu ordnen. Es soll eine Lösung geben.

Mein Song heißt Dämmerschein und ist von Deuter, dem New Age Projekt des deutschen Musikers Georg Chaitanya Deuter. Dieser hat sein Debütalbum "D" 1971 veröffentlicht und seither die Welt bereist, um unterschiedlichste Eindrücke in seiner Musik zu verarbeiten. Dazu gehören auch Musiken für Osho-Meditationen. Dämmerschein ist der Opener Deuters 2005er Werkes East of the Full Moon, eine Platte die mich in einem Moment erreicht hat, in dem ich das Gefühl hatte, einfach alles würde auseinander brechen.

Eine entsprechend tiefe Bindung hat sich zu diesen Klängen folglich aufgebaut. Es genügen die ersten zaghaften Pianoklänge, um mir einen wohligen Schauer über die Haut gehen zu lassen. Freilich, diese Nachtklänge sind nicht bar von Melancholie, doch ist es genau dies, was sie mir so besinnlich gestaltet. Synthetische Wellen treiben eine Reise in ein Land der Friedfertigkeit an. Es sind wenige Sekunden des Atmens, bis wohl frequentierte Flöten den Körper zu elektrisieren scheinen. Wie ein Schamane meint man, ganz beharrlich in einer kargen Steppe auf einem Fels zu hocken und in den Sonnenuntergang zu blicken.

Deuter ist Musik, welche die Zeit anhält, die dem Menschen ermöglicht, seine Winzigkeit zu spüren. Ganz plötzlich ist die Welt in ihren Grundelementen stark und beherrschend. Gleichwohl sind es nur Grundbedürfnisse, die noch von echter Bedeutung sind. Hier angekommen, entfaltet sich die Gelegenheit, die kleinen Luxusproblemchen in eine neue Ordnung zu bringen und Entscheidungen zu treffen.

Dämmerschein bereits endet nach knapp 10 Minuten mit einem Gefühl von Hoffnung und dabei ist es erst der Auftakt zu einem Album, welches ich selten aktiv zuende höre. Denn oftmals ist aus dem Dämmerlicht schon Nacht geworden und ich sinke auf sanften Wolken in ein Schlummerland, in dem mich die sphärischen Soundscapes nur unterbewußt erreichen. Nur manchmal, da lege ich noch ein wenig tibetanische Obertonmusik nach. Immer jedoch wache ich am folgenden Morgen klaren Kopfes auf.

Dämmerschein
Interpret: Deuter
Album: East of the Full Moon

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