Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Samstag, 11. Februar 2012

Ich mag das Schöne dieser Welt

Heute ist es wohl wirklich wahr, was man im Film Demolition Man seinerzeit noch für Science Fiction hielt. Werbejingles des 20. Jahrhunderts werden wie Golden Oldies gespielt und gesungen. Schuld daran ist nicht ausschließlich die Eingängigkeit der kurzen Anpreisungen. Werbung hat sich mit den Jahren zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Produkte werden durch künstliche Präparate überlebensecht abgebildet. Der Aufwand gleicht Actionfilmen und/oder aufwändigen Musikvideos. Die akkustische Untermalung steht dem in Nichts nach. Oft werden populäre Musiktitel in der Werbung eingesetzt oder geraten umgekehrt durch die Dauerberieselung zum Chartbreaker. Es ist dabei eine Tradition, selbst Märsche an Dosengemüse anzupassen und somit vornehmlich die Texte nach dem Produkt zu beugen.

Im Fall von Caro-Kaffee hatte man in den 80ern den richtigen Riecher. Volker Lechtenbrink, wenn nicht als Schauspieler und Sänger zumindest als sonor brummelnder Sprecher vertraut, hatte mit seiner Single "Ich mag" 1981 einen Radiohit gelandet. Das Jahr darauf präsentierte Rolf Zuckowski in der Sendung Wetten, dass..? seine kindlichere Interpretation "... und ganz doll mich". Durch Kinder fortgesetzt, brachte es diese Version gar 1984 mit 3776 von Kindern getexteten Zeilen als Längstes Lied der Welt ins Guinnessbuch der Rekorde.

Es ist kein Gesicht, das den Malzkaffee verkauft, sondern die Landschaften, die das positive Gefühl des Songs in eine heile Welt verwandeln. Mittendrin der rot gedeckte Tisch als Karo. Bei zurückgelehntem Tempo vereinen sich eine simple aber effektive Basslinie und Gitarrenpicking zu einem watteweichen Bett im Kornfeld. Der Spot funktioniert ohne das charakteristische, softe Blueslick und die Mundharmonika. Auch zarte Ironien des Textes können aufgrund der Werbebotschaft nicht übernommen werden. Die Caro-Version ist eine geschickte Reprise, um in den wenigen Sekunden des Spots die verknüpften Erinnerungen zu aktivieren.

Lechtenbrinks Song "Ich mag" lebt nicht nur von der Art, mit der er seine gesangliche Limitierung durch die als Sprecher geübte Stimme überspielt. "Ich mag das Schöne dieser Welt / Ich mag den Wind im Roggenfeld / Ich mag es, wenn der Tag erwacht / und die Sonne dazu lacht...", das einfache Reimschema des Liedes fördert zum einen die Zugänglichkeit und läßt zum anderen unzählige Variationen zu. Die simple Romantik dieser Zeilen steigert die emotionale Reaktion, so daß man ein Ideal eines Frühstücks vor Augen und Nase hat.

Volker Lechtenbrinks "Ich mag" eignet sich deshalb hervorragend als Exempel der 52 Songs mit dem Thema Werbung. Aber es hat mich auch damals angestiftet, tatsächlich eine Packung dieses Caro-Kaffees zu erwerben. Geschmacklich bewegt man sich dabei dann eher auf dem Niveau des Kondenswassers in Opas Gummistiefeln nach 365 Tagen Landarbeit. Hier wird deutlich, daß die beste Werbung nicht das Produkt ändern kann, welches dem Klang des passenderen Begriffes Muckefuck entspricht. Die Verkaufsstrategie jedoch ist als tadellos zu bezeichnen.

2 Kommentare:

  1. Gute Werbung bleibt im Gedächtnis haften. Und dabei spielt die Musik eine große Rolle. Mir fällt da spontan Barcadi (Feeling) und Langnese Eis (Like Ice In The Sunshine) ein.

    Ob ich jeweils deswegen ein Produkt gekauft habe, weiß ich nicht. Aber wenn, dann war sie richtig gut. :-)

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  2. Ohja, Langnese - Gibts auch hier im Kino! Das bleibt hängen. Definitiv. :D

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