Da heißt ein Film Die sieben Masken des Judoka und man bekommt als Intro eine Runde Kendo serviert. Es ehrt jedoch die Macher, dies tatsächlich zu erkennen. Als Medallienträger wird der Judokämpfer Marc Briand nun zu einer tragenden Rolle in einem Agentenfilm, der sich auf den Ernie Clerc Roman der Judoka in der Hölle beruft.
Ob die Vorlage sich schon Inspiration geholt hat ist mir unklar, doch das Fehlen britischer Eleganz und Gediegenheit täuscht nicht darüber hinweg, daß dieser Eurospy-Reißer eindeutig Anlehnung an die erfolgreich vorangegangenen James Bond Filme Feuerball und Mann lebt nur zweimal nimmt.
Während Heinz Drache als CIA-Agent Finn selbst zu hören ist, deutet schon Rainer Brandt als Sprecher für Briand darauf hin, daß dieser Durchschlag auf abgegriffenem Schundmaterial prangt. Schauplätze zwischen Japan und Hongkong sorgen dank mancher vor Ort Aufnahmen für exotisches Flair. Eine gewisse Tappsigkeit läßt sich nicht verleugnen, wie die europäischen Darsteller in Die 7 Masken des Judoka der fernöstlichen Kultur begegnen. Dieser Eindruck wird durch die flappsige Synchro natürlich verstärkt.
Kein Vergleich mit herkömmlichen Eastern stellen das angewendete Entführungsszenario durchwachsene Kampfszenen dar. Frei nach Belieben setzt man Jumpcuts, beschleunigt oder bremst die Bildgeschwindigkeit. Dafür darf man unter den Kontrahenten die Wrestlinglegende André the Giant ausmachen.
Maurice Labro gestaltet Die sieben Masken des Judoka wie man es kaum anders erwarten könnte. Die Geheimorganisation Schwarzer Drache dient als Verantwortliche für die Verschleppung, so daß nebst obligatorischer Liebelei mit ansehnlichen Damen und lebensbedrohlichen Episoden die Welt in Hongkong vor dem Atomschlag bewahrt werden muß. Unter Versatzstücken aus Genrestandards trudeln Judoka Marc und CIA-Mann Finn nur so durch die angenehm flüssig durchlaufenen Stationen.
Sofern die natürlich gegen eine extravagante Kuriosität wie Karate, Küsse, blonde Katzen noch bieder wirkenden Spaßspritzen noch nicht ausgereicht haben, darf man sich im Finale über einen recht eigenwilligen Führungsstil der Fieslinge freuen, welcher ein Sahnehäubchen der Erheiterung setzt.
Da nicht jedem zugänglich wurde die Abteilung Agenten und Spione aus der zweiten Reihe, von denen es seinerzeit doch manche Ausgeburt auf den Leinwänden zu sehen gab, bisher von den DVD-Labels eher stiefmütterlich behandelt. Auch Die 7 Masken des Judoka kann man sicher zu den Filmen zählen, die dem Zuschauer etwas guten Willen abfordern. Dabei ist diese augenzwinkende Mixtur aus Größe und Winzigkeit durchaus gelungen.
Weit weniger dröge als ernsthafter an die Materie herangehende, zeitgenössische Werke schlägt man bei mangelnder Originalität durch diese generischen Puzzleteile quasi schon den Spagat zwischen Bahnhofskino-Ramsch und unserem postmodernen Rezeptionsessayismus. Zur Folge mag Die sieben Masken des Judoka zwar bestimmt nicht das Glanzstück in Heinz Draches Filmographie abbilden, wirkt jedoch als Zwischenmahlzeit auch für minder versierte Genre-Hardliner schmackhaft und bekömmlich.
Originaltitel: Casse-tête chinois pour le judoka
Deutscher Titel: Die sieben Masken des Judoka
Produktionsland: Deutschland, Frankreich, Italien
Erstaufführung: 22.12.1967, Deutschland
Regie: Maurice Labro
Darsteller: Marc Briand, Marilù Tolo, Heinz Drache, Maria Minh, Paolo Tiller, François Maistre, Adaly Bell, André the Giant, Paolo Casella u.a.
OFDb, IMDb, Moviepilot
vor 20 Stunden
Na, das nenn' ich mal exklusiven Leserservice! Vielen Dank. Heinz Drache in einer Schmalspur-James-Bond-Suppe als Agent Nullkommanullsieben? Klingt nach einem netten Häppchen für nebenbei. Ich glaube, den werde ich mir beschaffen. Als redlicher DÖSer müsste man sowas locker aushalten können.
AntwortenLöschenGern. Irgendwie habe ich diesen Schubs auch gebraucht, um die zwei, drei Gedanken zum Film endlich aus meinem Kopf-Cache zu löschen. :D
AntwortenLöschenDas mit dem DÖS ist hier allerdings wieder die Sache. Obwohl die Premiere offenbar in Deutschland stattfand, wird der O-Titel überall französisch gelistet. Der Regisseur ist Franzose und das Buch ist wohl auch nicht sehr teutonisch geprägt. Da sind wir dann wieder im Grenzgebiet. Ich denke aber, daß die Parnass-Film, wie das damals so üblich war, sich an der Produktion u.A. durch die Beisteuerung Heinz Draches beteilligt hat. Dieses System wurde in einem Interview auch mal sehr gut beschrieben. Franz Marischka oder doch der Wendlandt? Hab ich nicht mehr im Kopf. Es wurde jedenfalls lebhaft beschrieben, wie verschiedene Produzenten sich mit Kleckerbeträgen und vor allem ausgetauschten Leistungen aushalfen. Diese Netzwerkerei macht es uns heute wirklich nicht einfach. :)
Übrigens scheint es sich bei der deutschen DVD auch um eine entweder gekürzte, oder doch nur alternative deutsche Fassung zu handeln. Ich bezweifle aber, daß Die 7 Masken des Judoka durch andere oder längere Szenen gravierend besser wird. Und dann müßte man die Fassung auch erstmal finden.
Das liegt daran, dass ich diese Woche leider Spätdienst hatte. Aus irgendeinem Grund braucht meine Gammelwaschmaschine einfach drei Stunden. So früh kann ich gar nicht aufstehen :D Man kommt so ja zu nichts und deswegen haben sich die Wäscheberge getürmt..
AntwortenLöschenUnd ich muss ja nicht 50 Mal meinen Fernseher fotografieren; da sieht man dann ob der Ipod Qualität eh nur ein weißes Leuchten :D