Eine weitere Adaption eines Broadway-Stückes durch Billy Wilder. Geht man zum Beispiel nach Hitchcock, ist es immer eine sichere Sache, sich eines erfolgreichen Stückes zu bedienen. Die Theatervorlage von George Axelrod bot jedoch eine Schwierigkeit. Es behandelt das Thema Ehebruch auf belustigende Weise, was ein No-Go für die sich nach dem Hays-Code richtenden Studios darstellte.
Wilders Aufgabe war es nun, ein Stück zu verfilmen, ohne den eigentlichen Kern zu übernehmen. Wie kann aber eine Komödie funktionieren, deren Pointen offensichtlich auf die sexuellen Anzüglichkeiten ausgerichtet sind?
Das verflixte 7. Jahr wurde dadurch ein Zeugnis der anhaltenden Prüderie in den USA. Es gelingt tatsächlich, eine eigene humoreske Herangehensweise zu schaffen, welche schon den kleinsten Anflug einer Annäherung als Teufelswerk erscheinen läßt. Marilyn Monroe erhält dabei ihre übliche Koketterie als naives Blondchen, die Tom Ewell als Strohwitwer in den Wahnsinn treibt.
Ein paar moderne oder überraschend feiste Details haben sich dabei eingeschlichen. Während der berühmte Monroe-Effekt, bei dem ihr das Kleid über dem U-Bahnschacht emporweht, entgegen der Legende und den damaligen Schlagzeilen so herrlich beiläufig wirkt, da diese Szene gar keinen Höhepunkt der monroeschen Laszivität darstellt, erweisen sich andere Beiläufigkeiten als wesentlich schwerwiegender. Wer hätte schließlich gedacht, daß sich bereits in den 50ern rein vegetarische Restaurants weigerten, Trinkgelder anzunehmen, sehr wohl aber Spenden für Nudistencamps akzeptieren, da totaler Nudismus für Frieden sorgen würde?
Mangels Ausführung des eigentlichen Ehebruchs werden die Monologe Ewells zum Zentrum der Darstellung. Billy Wilder nutzt diese als Querverweis zu nahezu expressionistisch anmutender Untermauerung der psychischen Zerrissenheit seines Protagonisten.
Selber mit der Herausgabe exploitativer 25-Cent-Literatur beschäftigt, spielt des Strohwitwers Phantasie diesem scheinbar einen Streich, als es darum geht, seine Ehefrau eifersüchtig zu machen. Im Folgenden beschwört er einen Seitensprung seiner Frau herauf, zeigt sich ferner dann mit sich selbst und der Versuchung ringend und seinem schlechten Gewissen auf einer Spitze bei dem wahnverzerrten Blick in den Spiegel mit Dorian Gray vergleichend.
Auf dieser Schiene könnte Das verflixte 7. Jahr tatsächlich ein Highlight unter den Komödien der 50er sein, wäre da nicht ein entscheidender Einschnitt, der sich der amerikanischen Sehgewohnheit beugt. Tom Ewell redet wirklich immer. Es ist ein Mono- und Dialogschwall, der sich aus dem 4-Track-Stereo-Soundmix über die Häupter der Zuschauer dieses in CinemaScope produzierten Films ergießt und der jeden noch so zaghaften Willen, sich selbsttätig mit dem aufgewühlten Gemüt des Helden auseinander zu setzen mit dem Publikum in den Sitzen erdrückt. Kaum fällt es da in die Wagschale, daß sich Marilyn Monroe in den erstaunlich langen Takes erstaunlich wacker in ihrem Text schlägt.
Die Geschichte mit einer Indianersequenz einzuführen, die eine Tradition der Sommerausflüge der Bewohner Manhattans belegen soll, ist sicher Geschmackssache. Die Funktion soll hier wohl sein, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erregen, die sich möglicherweise im falschen Film wähnen. Heute mag einem diese Machart, nebst der prüderiebestimmten Handlung, doch etwas antiquiert vorkommen, zumal Wilders Film sich eben im Bürgerlichen bewegt und so längst nicht das verruchte Spiel mit der Zensur zu treiben vermag, wie es die zwielichtigen Gestalten im Film Noir schon in den 40ern zu tun wußten.
Das verflixte 7. Jahr funktioniert in Anbetracht der Umstände so als durchschnittlich gute Komödie mit filmerisch durchaus interessanten Ansätzen, muß bei allem Respekt vor Billy Wilders Œuvre aber längst nicht zu seinen Meisterwerken gezählt werden.
Originaltitel: The Seven Year Itch
Deutsche Titel: Das verflixte 7. Jahr, Das verflixte siebte Jahr
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 03.06.1955, USA
Regie: Billy Wilder
Darsteller: Marilyn Monroe, Tom Ewell, Evelyn Keyes, Sonny Tufts, Robert Strauss, Oskar Homolka, Marguerite Chapman, Victor Moore, Dolores Rosedale, Donald MacBride, Carolyn Jones, Steven Benson u.a.
OFDb, IMDb, Wikipedia
vor 39 Minuten

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