Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Donnerstag, 7. April 2011

Dany, bitte schreiben Sie (1956)

Wer nach meiner leicht abgestoßenen Kritik an Liane - Das Mädchen aus dem Urwald nun eine generelle Abneigung gegen Eduard von Borsody vermutet liegt eindeutig falsch. Im selben Jahr lief nämlich auch sein Film Dany, bitte schreiben Sie an, welcher auf der einen Hand natürlich biederer ist, auf der anderen jedoch auch eine sehr gute Liebeskomödie auf Weltniveau. Tatsächlich hat mir Dany, bitte schreiben Sie auf Anhieb gefallen, wuchs jedoch mit jeder Sichtung zu einem meiner Lieblingsfilmen dieser Zeit.

Sonja Ziemann ist dabei perfekte wie spezielle Besetzung für Dany, bitte schreiben Sie, wird sie doch als eher distanzierter Typ Frau dargestellt, welchen man nicht unbedingt als erotische Phantasie entdecken, sondern bei der man vielleicht an Händchen halten denken würde. Ein bisschen naiv ist sie einem Schwindler aufgesessen, der ihr Heirat versprach, dann jedoch mit dem Geld von dannen zieht. Ihr teures Hochzeitskleid aus dem Modesalon Pratt versucht sie nun umzutauschen, um sich ihr weiteres Leben zu finanzieren. Einer Verwechslung sei Dank wird sie hier vom Fleck weg als Sekretärin engagiert. Nur ihrer aktuellen Abneigung gegen Männer ist es zu verdanken, daß sie dem Charme des Frauenhelden und Chefs (Rudolf Prack) nicht verfällt. Oder?

Eduard von Borsody konzentriert sich in Dany, bitte schreiben Sie auf die Koketterie zwischen den so gegensätzlichen Hauptfiguren. Dany ist es bald leid, stets die gleichen Dinners und Absagen für die Frauengeschichten ihres Arbeitgebers zu organisieren. Je mehr sie vor Frustration kocht, umso mehr ist Hannes Pratt von ihr fasziniert. Sicher sieht er in Dany zunächst das am schwersten zu bezwingende Abenteuer, welches ihm im Gegensatz zu seiner sonstigen Klientel vor eine Herausforderung stellt. Dany jedoch ist von dieser bezaubernden mütterlichen wie fast kindlichen Art, mit der sie den Tiger durchaus bändigen könnte.

Dany, bitte schreiben Sie fällt durch gut pointierte Situationen auf, wobei die Routiniers Fita Benkhoff und Hubert von Meyerinck als Traumpaarung die Salonkulisse schlagfertig beleben. Auch Helen Vita als schrullige Künstlerin und Peter Garden als weiterer Verehrer Danys sorgen für manch Zündstoff. Durchbrochen wird der Film mehrmals durch expressive Episoden um Sonja Ziemann, die jene wundervoll erzählerisch photographierten Szenen mit ihren Gefühlsausdrücken ganz allein trägt. Stummfilmfans denken sich dabei die Ich-Erzählung ihrer Gedanken aus dem Off weg, welche als Annäherung an die zeitgenössischen Seh- beziehungsweise Hörgewohnheiten Verwendung finden.

Im naturgemäß vorhersehbaren Sujet wird nach Romanvorlage von Inge Rösener stets an den richtigen Fäden gezogen. Emotionen in einem Spannungsfeld aus konservativer Moral und leichtlebiger Modernität sind gerade noch kitschig genug um als Produkt der Zeit wahrgenommen zu werden, jedoch auch so versiert durchgeführt, daß Dany, bitte schreiben Sie eine verklärte Zeitlosigkeit anhaftet, die den Film auch heute für Liebhaber von Genre und Ensemble zu einem Hochgenuß werden läßt. Dabei kann sich der Film in Spiel und Inszenierung entgegen manch eigentümlichem Schnellfutter sogar mit vielen Evergreens aus Hollywood messen. Allein deshalb sollte Dany, bitte Schreiben Sie schon einen Blick wert sein.

Originaltitel: Dany, bitte schreiben Sie
Produktionsland: Deutschland
Erstaufführung: 08.05.1956, Theater am Aegi, Hannover, Deutschland
Regie: Eduard von Borsody
Darsteller: Sonja Ziemann, Rudolf Prack, Fita Benkhoff, Anneliese Uhlig, Helen Vita, Maria Sebaldt, Hubert von Meyerinck, Peter Garden, Liesl Karlstadt, Thea Aichbichler u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia

4 Kommentare:

  1. Ich würde es mal so formulieren: Helen Vita, dieses herrlich vulgäre Ding, rettet den Film - wie so manchen der 50er Jahre. :) - Sie macht sogar Rudolf Prack halbwegs erträglich...

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  2. Warte ab, bis ich mich endlich traue meine Liebe zum Immenhof zu gestehen. Ups. :D

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  3. Die "Immenhof"-Filme liebe ich doch auch! Ernsthaft böse werde ich erst, wenn du mit der Ziemann-Schande "Die sieben Kleider der Katrin" (1954) anrückst. ;) - Jetzt weisst du, was ein Mann in meinem Alter schon an 50er Jahre-Filmen hinter sich gebracht hat.

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  4. Püha, ich kenne den nicht, aber es klingt so ungemein klischeehaft, Lebensabschnitte mit Kleidern zu verbinden, daß es entweder nur hohe Kunst oder grauenhafter Schund sein kann. :D

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