Später auf Video als Die Jagd der goldenen Tiger veröffentlicht, vereint Danger - Keine Zeit zum Sterben unterschiedliche Kräfte, darunter Produzent Wolf C. Hartwig, zu dessen letzten Filmen dieses Werk zählt. Über seinen Schulmädchen-Report sagte er, es sei nicht wichtig wie gut ein Film gemessen an den eigenen Maßstäben sei. Es käme darauf an, daß Leute zahlen würden, um das Produkt zu sehen. Und hier bin ich nun, stolzer Erwerber einer VHS-Kassette dieses Ergusses, schon Jahre in einer Kiste vor sich her verfallend, bis mich die Aktion deutscher Film und ein kurzes Gespräch mit Father McKenzie wieder auf dieses Stück aufmerksam machten.
Deutsche Action hergestellt in Indonesien fand ich schon lange vor unserem Projekt interessant. Immerhin arbeiten hier die Rapid und Lisa zusammen mit NDR und Rapi Films, letztere verantwortlich für an die Schmerzgrenze reichende Trash-Heuler von Der Todesschrei der Kannibalen über Jaka, der Rebell bis hin zu Devil's Sword. Buch und Regie gibt es vom Kriminalexperten Helmut Ashley. Der eigentliche Star des Films ist eigentlich jedoch die Musik von Hans Hammerschmid. Der langjährige Komponist Hildegard Knefs schrieb unter anderem die Melodie zur Schwarzwald-Klinik und einige hier verwendete Themen erinnern doch überraschend an Arbeiten zu Insel der Träume und Das Traumschiff.
Ich möchte hier jedoch gar nicht anfangen, Legenden über einen Film zu spinnen, der nur zum Teil Kultpotential aus seinen kuriosen Rahmenbedingungen schöpft. Im Wesentlichen ist Danger - Keine Zeit zum Sterben ein recht einfältiger Abenteuerstreifen ohne echte Helden, denn Dreck hat hier jeder am Stecken. Bei der Einführung der Figuren setzt Ashley bevorzugt auf den asiatischen Actionstil, nutzt so also die gegebenen Möglichkeiten. Bei aller Rasanz bleibt jedoch nicht aus, daß diese harten Burschen und eine erfreulich untussige Grazyna Dylong eben nur schleierhafte Abziehbilder bleiben.
Helmut Ashley und seine Co-Autoren bemühen sich redlich mit bescheidenen Mitteln Aktion in die exotische Kulisse zu bringen. Als McGuffin muß ein ominöser Laser herhalten, den eine Diamantenfirma transportieren und die Finsterwichte stehlen wollen. Der Druck erhöht sich, weil die Fahrer persönliche Bezüge in beide Richtungen haben. Plötzlich ist der Erzfeind im Nacken und der Bruder in der Diamantengrube eingeschlossen. Natürlich kann nur der Laser noch zur Rettung beihelfen.
Dieser Umriß sollte ausreichend verdeutlichen, daß nur eine ausgeklügelte Dramaturgie und Actionchoreographie diese eurasische Zusammenarbeit zu einem guten Western machen können, welcher Danger - Keine Zeit zum Sterben im Aufbau ja eigentlich ist. Man entschied sich jedoch eher in Richtung des Spekulativen, was in der deutschen Videofassung nicht mehr vollständig erhalten ist.
Dennoch überraschen wenige plötzliche Ereignisse durch ihre inhaltliche Härte. Die Protagonisten hingegen lassen manierlich die Sau raus. Am Steuer wird fleissig gesoffen und geraucht, dazu so mancher lachsack-eruppierender Schenkelklopfer aus den unteren Schubladen, die heute so wirken, als hätte der Trek den Bart einmal um die Insel Java gesponnen. Der Sesamstraßen-Horst dabei immer erstaunlich zurückhaltend.
Während die Musik nun in bei manch Hindernis wie einer verfallenen Brücke oder einem Minenfeld durchaus Spannung erzeugt, sind Hammerschmids loungig-verträumte Urlaubsmelodien mit lässig geslaptem Bass unterlegt nicht immer passgenau platziert. Zügig dargestellte Stunts aus dem Standardrepertoire sind dabei auch nur nett, jedoch nie wegweisend. Es fehlt diesem Film an Charakter, sei es etwas Schrilles, Spektakuläres oder eben ein stärker profilierter Gegner.
So ist Danger - Keine Zeit zum Sterben ein stetig daherplätscherndes Action-Abenteuer, welches sicher keine Schmerzen bereitet, aber in seiner Entstehung interessanter für die deutsche Filmgeschichte ist, als in seinem Ergebnis. Das deutsche Kino hat zwar keine Zeit zu sterben, aber die Ära der Deutschploitation internationalen Formats geht hier wohl langsam zuende. Sehen wollte ich es trotzdem und gezahlt habe ich auch, da hat der Hartwig also Recht behalten.
Originaltitel: Danger - Keine Zeit zum Sterben
Deutscher Alternativtitel: Die Jagd der goldenen Tiger
Produktionsland: Deutschland, Indonesien
Erstaufführung: 30.11.1984, Deutschland
Regie: Helmut Ashley
Darsteller: John Phillip Law, Horst Janson, Grazyna Dylong, Winfried Glatzeder, Barry Prima, Christopher Mitchum, Zaenal Abidin, Advent Bangun, H.I.M. Damsyik, Eric Moss, Eddy Wardy, Dicky Zulkarnaen u.a.
OFDb, IMDb
vor 39 Minuten

In solchen Momenten wünscht man sich, du würdest zu den grässlichsten Ausgeburten der 50er Jahre zurückkehren. Hier ein paar Vorschläge: "Komm zurück" (1953), "Der Engel mit dem Flammenschwert" (1954), übrigens der erste Film, den Klein-Whoknows in der wahrhaft flimmernden Kiste beguckte - oder "Kindermädchen für Papa gesucht" (1957). - Da mag Father McKenzie noch so toben. ;)
AntwortenLöschenAch Whoknöwschen, die würde ich mir doch auch alle ansehen, wenn sie mir vorlägen. (Wirklich!) Kindermädchen für Papa gesucht könnte mir sogar mal im TV begegnet sein, aber das würde ich erst erkennen, wenn der Film läuft. Ich hab dafür noch einiges anderes Älteres im Helm, was ich bestimmt auch noch hervorzaubern werde. Genaugenommen könnte ich wohl inzwischen die nächsten zwei Jahre bei meinem durchschnittlichen Tempo nur mit DÖS-Filmen füllen. Ich hab gerade erst bei meinen Eltern noch Videoaufnahmen gefunden, die ich weder gesehen, noch auf dem Zettel hatte. :D
AntwortenLöschenWas spricht da also gegen diese Abteilung, so in der Mischung? :P
"Father McKenzie" - Wenigstens einer, der sofort begriffen hat, woher mein (OFDB-)Username stammt.;-)
AntwortenLöschenAber aber, wie konntest du nur im Besitz einer solchen Schwarte sein und jahrelang Messer und Gabel davon lassen? Ich nehme an, der andere große bundesdeutsche Tropen-Blockbuster, DER STEIN DES TODES, ist dir auch noch unbekannt?
Von DANGER verspreche ich mir neben einer wunderlichen Scheibe köstlichsten Achtziger-Cheese, deinen eher verhaltenen Worten zum Trotz, einen viel besseren Film, alleine schon deshalb, weil die Besetzung unfassbar ist (Horst Janson, Winfried Glatzeder, Barry Prima, Christopher Mitchum?!) und weil ich Helmut Ashley für einen der interessantesten und unterschätztesten altdeutschen (bzw. vielmehr altösterreichischen oder gleich AltDÖSer) Unterhaltungsfilme halte. Sein Wallace-Film DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE hat als nonchalant-makabre Gangster-Arabeske einen ewigen Platz in meinem Herzen und sein Cotton-Film DIE RECHNUNG - EISKALT SERVIERT ist auch genußbringend Noir-ig.
Hans Hammerschmid hat übrigens auch wunderbar schwelgerische Musiken für Hans Schott-Schöbingers äußerst wiederentdeckenswerte DÖS-Exploitation-Obskuranden ANDREA - WIE EIN BLATT AUF NACKTER HAUT und VON HAUT ZU HAUT geschrieben. Also einer von der alten Schule.;-)
Wolf C. Hartwig war wirklich ein widerliches und reaktionäres Aas, aber immerhin auch der Mäzen unseres "Ernst des Lebens" (= Ernst Hofbauer) und zeitweise auch des nicht minder großen Jürgen Roland. Wir haben ihm also schon einiges zu verdanken, vor allem auf dem Sleaze-Sektor. Heute kann man nur staunen, wie sich ein Produzent mit so beinahe durchgehend widerlichen und asozialen Filmen ein Vermögen gescheffelt hat...
Der Stein des Todes ist immer noch auf meiner Suchliste, genauso wie Die Brut des Bösen. Der Gott der Anders wachsen ließ, der hat sich dabei wohl gegen mich gerichtet. :(
AntwortenLöschenZu Wallace und Cotton ist Danger aber kein Vergleich. Das wär ja viel toller. Es hat viel mehr von einem Cirio H. Santiago Film als davon. Und wenn ich mir dann ansehe, was Kurti Raab und Peterchen Kern mit Die Insel der blutigen Plantage auf die Beine gestellt haben, weiß ich undankbarer Affenarsch ja, was man mit der harten DM so alles in exotischen Inselreichen anstellen konnte. :D
Schöbinger habe ich übrigens auch auf der Uhr, aber bisher noch keinen Einblick bekommen. Sowas liegt ja weder auf der Straße, noch in der gewöhnlichen Videothek mehr herum.
Zum Hartwig kann ich freizeitlich hin und wieder seine Schmierographie nachvollziehend kein echtes Urteil außer einer allgemeinen Respektsbekundung fällen. Mir muß ja längst nicht alles gefallen und daß mir der Roland meist lieber ist als der Hofbauer kann man sich vielleicht noch an einer Affenpranke abzählen.
In mir brodeln zum Ernst des Lebens noch einige offensichtliche aber noch nicht allgemeingültig ausgesprochene Thesen, die vielleicht in Zukunft einmal aus dem Raumanzugsärmel schüttel werde. Aber das drückt nicht, will genau durchdacht und analysiert sein, bevor ich diese Vorwürfe laut mache.
Achja, du schuldest mir noch eine Nachricht im GF. ;)
"...an einer Affenpranke..." - Vorsicht! Am Zustand der Affenpranke erkennt der Fachmann, wie viele Hofbauer-Filme du schon gesehen hast. ;)
AntwortenLöschenDas was du meinst, sind Rückenmarksschäden. :D
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