Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare  und Analysen
Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Sonntag, 15. Mai 2011

Eurovision Song Contest (2011)

Nun ist es vorbei. Das Wunder von Oslo war für mich schon so etwas wie eine Hassliebe. Lena Meyer-Landrut hatte mir in den Castings (Unser Star für Oslo) für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest zunächst gefallen. Sie strahlte eine Unschuld und Natürlichkeit aus, die ihr bei der Präsentation nicht unbedingt massenkompatibler Interpretationen von teilweise relativ unbekannten Songs die Herzen der Zuschauer öffneten. Gerade Stefan Raab betonte durchaus scharfsinnig den Anschein von Intellekt und Anspruch, der nicht unbedingt von Lena selbst ausging, sondern als eine Empfindung im Zuschauer/-hörer ausgelöst wurde.
Dabei wurde schnell klar, daß poetische Feenwesen wie Kerstin Freking, die eigentlich Anspruch fundiert hätten vermitteln können, auf den letzten Metern ohne Chance bleiben würden. Dann jedoch wünschte ich mir auf den letzten Drücker die vorher profillosere Jennifer Braun für den Grand Prix. Eine junge Dame mit Power und der Fähigkeit, Songs präzise zu performen, was mit einem guten Schreiber eine sicherere Nummer für den Contest hätte werden können. Die Befürchtung: Lena Meyer-Landrut entpuppe sich zusehens als unecht. Daran haben die Schlagzeilen sich freilich beteilligt, doch auch sie selber war zu bestimmt, zu gesteuert. Als dann das Voting ausgerechnet noch den schlechtesten Song für sie bestimmte, glaubte ich persönlich das Thema Eurovision Song Contest für abgefrühstückt.

Unser Star für Oslo hatte gerade mit Persönlichkeiten wie Christian Durstewitz im raab-üblichen Stil abermals bewiesen, daß es in Deutschland einen unentdeckten, unerschöpften Bestand potentieller Talente gibt, die man in der üblichen Castingshow ansonsten nicht findet. Die Produktion um Lena schließlich setzte die Tradition insofern fort, als daß die Neuentdeckung mit eingängigen Popsongs totproduziert um genau die wesentlichen Charakterzüge beraubt wird. Doch dieser blöde Song Satellite entwickelte mit geschickter Marketingstrategie inklusive Dauerbeschallung auf den Sendestationen schließlich ungeahnte Ohrwurmeigenschaften.
Nun war man den Weg bis hier hin mitgegangen, also sah man sich den Eurovision Song Contest also auch bis zum Finale an und diese ganze Aufbruchsstimmung setzte einen Funken frei, dem man sich schwerlich entziehen konnte. Niemand konnte sich Lovely Lena verwehren, so daß es ein unerwarteter Triumphzug und Siegestaumel wurde.

Normalität. Zwar nahm ich persönlich auf, daß Lena ihren Titel verteidigen würde, aber der Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland war noch in weiter Ferne. Für den Grand Prix war es ein wichtiger Schritt weg vom Camp-Entertainment hin zu den jungen Zuschauern. Gerade das Alter der Zielgruppe spielt schließlich auch bei der Auswahl des Kandidaten eine Rolle, was wiederum die Qualität des Wettbewerbs beeinflußt. Irgendwann war Lena aus den Schlagzeilen. Album und Tour liefen auf meinem Horizont kaum noch spürbar ab.
Als es dann an der Zeit war den neuen Song für den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland zu küren, da fühlte ich mich durch das Presseecho bestätigt, welches die dargebotenen Titel insgesamt als schwach oder ungeeignet darstellte. Ich sah mir die Shows schon gar nicht mehr an. Es fehlte der Biß, der Wettbewerb. Die Entscheidung Taken By A Stranger fand ich gar nicht so verkehrt, wenn es um meinen persönlichen Geschmack geht. Nicht zu fröhlicher Elektropop, dem man sogar gesanglich wieder eine Note Björk andichten könnte, also prätentiös genug, um es auf einem gewissen Niveau gut finden zu dürfen.

Die Semi-Finals nur so am Rande verfolgend habe ich mich nun entschlossen gehabt, doch wieder voll beim Contest dabei zu sein, einfach um auch mal etwas großes in Deutschland feiern zu können, wo mich die Fußball-WM seinerzeit doch so gar nicht interessiert hat. Es wurde nicht geflaggt oder getrunken. Es war ein Fernsehabend mit Chips und Cola, wie sonst auch. Aber Überraschungen gab es dann doch. In der Moderation auf Wiederholungen alter Gags aus den Vorbereitungen setztend, stürmte Stefan Raab in einem furiosen Anfall von Selbstinszenierung plötzlich mit der Gitarre auf seine Band zu, die vor der gigantischen LED-Wand auf ihn wartete.
Das abgefackelte Feuerwerk überschattete seine stimmlich dünne Interpretation von Satellite, was durch Lena Meyer-Landrut übertroffen wurde, die sich nun doch "überraschend" zu einem Stelldichein getraute. Diese Dynamik, die High Heels von sich werfend und den Upright Bass erklimmend, setzte die Erwartungen hoch, schließlich passten hier plötzlich Pointe und Eskalation, was eigentlich dem Finale einer Show ebenbürtig gewesen wäre. Ein kluger Schachzug könnte man meinen, war diese Einlage doch von den folgenden Mitbewerbern erst einmal zu übertreffen. Nicht nur diese mußten sich allerdings dem Format beugen, sondern auch Lena selbst, die im Vergleich zum Opener nur routiniert ablieferte.

Was für ein Wertungsdurcheinander war es nur dieses Jahr wieder? Mit Lenas Sieg hatte wohl niemand wirklich gerechnet, bezeichnenderweise prognostizierte ich ausgerechnet ihren zehnten Platz als einzigen korrekt. Was die Favoriten anging haben sich schließlich auch sogenannte Experten geirrt.
Als Fazit für den deutschen Eurovision Song Contest 2011 mit dem Langnese-Eiskrem-Logo läßt sich ziehen, daß es erfreulicherweise eine weite Range an Interpreten gab. Vieles davon hat man schon einmal so ähnlich gehört, vieles wird man schnell wieder vergessen. Denn das ist das alte Grand-Prix-Problem: Viele Lieder bleiben einfach nicht hängen, sondern werden nach möglichst eingängigem Rezept für den Moment ausgeschlachtet, was letztlich dem aserbaidschanischen Konzept wohl auch den Sieg beschert hat.
Der Sound war tight, die Moderation auf Englisch erstaunlich sicher und professionell. Gerade Anke Engelke hat sich mit ihren mehrsprachigen Ansagen auch auf französisch sicher wie im Schlaf bewegt. Bis auf die Wiederholungen von Gags und Postkarten war es ein unterhaltsames Event, bei dem Deutschland insbesondere durch die optische (technische) Inszenierung Maßstäbe gesetzt hat. Und durch das Einrahmen zwischen den Opener und den alle Teilnehmer auf einem Lungenflügel wegblasenden Jan Delay wurde schließlich noch einmal betont, daß offensichtlich noch immer nicht die besten Interpreten Europas gegeneinander beim Eurovision Song Contest antreten. Da hat zum Beispiel der Bundesvision Song Contest qualitativ ganz andere Maßstäbe, die man für zukünftige Planungen gerne einmal berücksichtigen darf. Doch nun zu den Einzeldarbietungen in offizieller Rangfolge:

  1. Aserbaidschan Ell / Nikki "Running Scared" (221)
    Ell / Nikki habe ich auf Platz 18 gesehen und so erklärt sich vielleicht auch meine bleiche Gesichtsfarbe, als sich der Sieg langsam abzeichnete. Hier hatte ich Jury wie Publikum für schlauer gehalten. Ell / Nikki ist ein kalkuliertes Produkt, weshalb es allerdings auch bestens funktionieren kann. "Oh, oh" beginnt dieser Song aus schwedischer Feder und als sei dies nicht schon der Warnung genug, performt die möglichst viele Schichten ansprechende Kombination aus Schwiegermutterliebling mit Knopfaugen und ansprechend dekolletiertem Engelspüppchen einen durchaus für nächtliche Autofahrten tauglichen, belanglosen Popsong. Gefühlsduselei und Goldregen versuchen über generisches Gedudel hinwegzutäuschen.
  2. Italien Raphael Gualazzi "Madness Of Love" (189)
    Italiens Beitrag von Raphael Gualazzi darf als echte Überraschung gewertet werden. Der Jazzpianist bietet mit Madness Of Love eine eigenwillige Atmosphärenmischung zwischen Verruchtem Jazzkeller und aufgetakelter Matinée. Ganz klassisch getragen von guter Rhythmusfraktion, Bläsern und natürlich dem Piano darf seine Stimme gern etwas dünn und in den Höhen überstrapaziert klingen. Der Song ist eigentlich kein hit, jedoch musikalisch respektabel, weshalb eine höhere Platzierung durchaus als verdient angesehen werden kann. Gerechnet hat damit wohl niemand.
  3. Schweden Eric Saade "Popular" (185)
    Dieter Bohlen würde sich hier die Finger reiben. Eric Saade liefert mit Popular ein Musterbeispiel von flottem 08/15-Pop, welcher mit einem ungleich dämlichen Refrain ausgestattet ist. Sowas bleibt aber auch hängen. Die choreographielastige Darbietung rundet die starke Show zu einem massenkompatiblen Ereignis ab, was schließlich in den Punkten honoriert wurde.
  4. Ukraine Mika Newton "Angel" (159)
    Mika Newtons Angel ist ein sehr zwiespältiger Auftritt. Der moderne Popsong mir leichten Ostblock-Akzenten wird mit starker, wenngleich verwechselbarer Stimme vorgetragen. In ihrem Flügelkostüm versucht die Sängerin durch übertriebene Gestik und Mimik dem Kunstwerk im Hintergrund Aufmerksamkeit abzuringen. Ksenija Simonovas Kunst - für sich wunderschön - eignet sich doch eher zur Visualisierung getragener Themen und so war schwerlich eine (rhythmische) Harmonie mit dem Liedgut auszumachen, während der Blick jedoch voll auf das filigrane Geschehen auf der Videowand gelenkt wurde.
  5. Dänemark A Friend In London "New Tomorrow" (134)
    A Friend In London bekamen ihre Punkte vermutlich gerade wegen des Love/Hate Faktors. Eine Kindermelodie trifft auf Rock und Pop. Eine Ross-Antony-Type vermengt darin zerhackstückelte Englischphrasen zu einem musikalischen falschen Hasen von geringem Brennwert.
  6. Bosnien-Herzegowina Dino Merlin "Love In Rewind" (125)
    Dino Merlin bringt die Erfahrung mit und die Popularität. Der Song Love in Rewind beginnt mit einem fast schon alpinen Jodelduell, versinkt dann jedoch in belangloser Melodieführung ohne Highlights im Refrain. Für das Radio nebenbei vielleicht noch gerade geeignet scheint sich der Erfolg dann doch eher auf dem Ruf zu begründen.
  7. Griechenland Loucas Yiorkas feat. Stereo Mike "Watch My Dance" (120)
    Griechenlands Beitrag war risikobehaftete Spekulation. Der Schritt in die Moderne mit Loucas Yiorkas feat. Stereo Mike, die eine Mischung aus teils aggressivem Rap mit melancholischer Bombastfolklore darbieten, hätte durchaus ins Auge gehen können. Eine schlüssige Spiegelung in der Performance von Breakdance bis Folkstanz machte das Gesamtpaket jedoch offenbar so zugänglich, daß die Nummer mit einer amtlichen Punktzahl anerkannt wurde.
  8. Irland Jedward "Lipstick" (119)
    Die quirligen Zwillings-Trolle Jedward aus Irland waren für viele die Favoriten. Schrill und androgyn schienen sie prädestiniert für den Eurovision Song Contest. Die Haare wie in die Steckdose gefasst bieten sie zum Song Lipstick in martialischen Phantasieuniformen aufpeitschend-elektrisierenden Pop mit einer dynamisch-hyperaktiven Post-Jumpstyle-Show. Da geht sogar der alte Affe mit. (5 Bananen)
  9. Georgien Eldrine "One More Day" (110)
    Die Frontfrau vom Look her schon eher eine Miley Cyrus steht Eldrine für eine Nachgeburt von Evanescence und Linkin Park. Der Song One More Day, zwar laut aber platt, scheint in den Ostgebieten erstaunlich angesagt zu sein.
  10. Deutschland Lena "Taken By A Stranger" (107)
    Auf diesen Auftritt haben nun alle gewartet und doch scheinen alle bereits zu wissen, daß es die angekündigte Titelverteidigung nimmer werden wird. Lena knüpft an ihr Lolitaimage an, gibt sich stark geschminkt und mit Extensions aufgeplustert jedoch bewußt reifer. Den übermäßig schlank betonten Körper wie eine Schlange zum meditativ hypnotischen Beat windend umtanzt sie ein Silberfischballett bei exotischer Space-Aerobic. Passend zu diesem halbseitenintellektuellen Elektropop klingen Akzente aus astralen Fernen. Laszive Blicke und ein gekonnter Lena-Kiekser zum Abschluß machen den Auftritt zu einer runden Sache. Besser hätte es kaum laufen können. Und nun iß was Kind und ruh dich aus. Es scheint, als habe die letzte Zeit doch körperlich sehr an dir genagt.
  11. Großbritannien Blue "I Can" (100)
    Blues Nacktbilder in der Attitude ließen Koketterie mit der Schwulenszene vermuten, um den Song I Can etwas zu pushen, welcher nichts anderes ist als überprofessionelle Langeweile ohne jegliche Ecken und Kanten. Auch hier scheint der Bekanntheitsgrad eine Rolle zu spielen und/oder das Open-Minded-Konzept, welches im Kern ja durchaus mit der zusammenführenden Intention des Eurovision Song Contest harmoniert, hat tatsächlich funktioniert. Ein gutes Lied hätte es vielleicht auch getan.
  12. Moldau Zdob și Zdub "So Lucky" (97)
    Ob Zdob și Zdub mit ihren Spitzhüten wohl nicht genug intergalaktische Energie empfangen konnten? Moldau war mein ganz persönlicher Favorit bei diesem Wettbewerb und ich wurde nicht enttäuscht. Mit markantem "R" gesungen macht der flotte Alternative-Ska-Zirkus einfach Spaß. Ein gutes Händchen für Rhythmus- und Tempowechsel halten den von mitreißenden Melodien durchzogenen Song durchweg interessant. Die agile Show läßt selbst die farbenfrohe Videoinszenierung im Hintergrund verblassen. Da tanzt der Affe dann auf dem Tisch und ist so lucky! (12 Bananen)
  13. Slowenien Maja Keuc "No One" (96)
    Auch ob Sloweniens Position bin ich etwas betrübt. Eigentlich hatte ich Maja Keuc gar nicht so stark eingeschätzt, jedoch ist ihre Darbietung von No One ein echter Hochgenuß! In einem spacigen Outfit gibt sie Power von der ersten Note an. Die an sich eher starre Performance gleicht die sexy Sängerin mühelos durch versiert akzentuierte dramaturgische Strukturen aus, die einprägsam im Refrain schließlich gar Ohrwurmcharakter erreichen. Mit glamourösem Bombast ist No One nicht nur für den Eurovision Song Contest von Hitpotential. (7 Bananen)
  14. Serbien Nina "Caroban" (85)
    Retropop und 4-Buchstaben-Name erinnern irgendwie an die Ambitionen Lenas, so daß man die Eigenständigkeit des serbischen Beitrages nur bedingt akzeptieren kann. Im Gegenteil klingt diese Komposition wie exakt dem Lena-Repertoire entnommen. Belanglos aber eingängig verwundert es schon, daß der von Sängerin und Tänzerinnen in unvorteilhaften Outfits vorgeführte Titel so weit nach oben kam. Die bunte Pop-Art-Videoshow war ja ganz nett schrill.
  15. Frankreich Amaury Vassili "Sognu" (82)
    Der ein wenig an Johnny Depp erinnernde Jüngling Amaury Vassili geht mit vangelis-ähnlichem Klassik-Pop ungewöhnliche Wege für den Contest. Auch wenn dem Knaben bei seinem korsischen Geknödel stellenweise Grenzen bewußt werden, so beweist er doch erstaunlich langen Atem mit einer für sein Alter durchaus weit ausgebildeten Stimme. Zu der hymnischen Progression läßt es sich in der optisch sensationellen Videokunst hervorragend versinken. (3 Bananen)
  16. Russland Alexey Vorobyov "Get You" (77)
    Gelackter James-Dean-Verschnitt singt aus dem Abfalleimer des Lady Gaga Komponisten. Erinnerungen an Take That und 80er Pop wiegen nicht wirklich schwer in einer weiteren Nummer nach Schema F, der im Chorus nur durch dichte Synthie-Teppiche Nachdruck verliehen werden kann. Das starke Intro hatte mehr versprochen.
  17. Rumänien Hotel FM "Change" (77)
    Hotel FM finden sich im Prinzip auf einem gerechtfertigten Platz. Pop, den man schon mal gehört hat und der durch leichte Transgender-Elemente im Tanz auch nicht weiter auffällt. Mit englischstämmigem Sänger und auf durchaus internationalem Niveau fehlt der Gruppe bei all der Perfektion einfach das Profil. Die Nummer hat man sofort wieder vergessen. Steht dafür der Titel Change?
  18. Österreich Nadine Beiler "The Secret Is Love" (64)
    Die Hoffnungen in Nadine Beiler sind höher gewesen und mit ihrem Auftritt hat sie sich einigen Respekt erarbeiten wollen. Da steht dieses junge, natürliche Mädel ganz allein auf der Bühne und singt ihr Lied acapella mit fester Stimme an. Es entfaltet sich zu einer klassischen Popballade, Nadine beeindruckt mit unglaublicher Kraft die ihrer Kehle entströmt. Unterstützt wird sie dabei von Gospelbackings, die das Gefühl von Hoffnung und Chance verstärken. Es hat nicht sollen sein, jedoch könnte sich da noch eine interessante Karriere entwickeln. (4 Bananen)
  19. Litauen Evelina Sašenko "C'est Ma Vie" (63)
    Ein verträumtes Piano, starker Gesang - hier entwickelt sich die typische ESC-Ballade mit Siegchance. Statische Bühnenpräsenz wird begleitet von Gebärdensprache, Bombast und starke Emotion entladen sich in eingängiger aber anspruchsvoller Melodie bis zur Gänsehaut. Warum das keiner will weiß auch nur der Wind. (10 Bananen)
  20. Island Sjonni's Friends "Coming Home" (61)
    Der tragische Tod des Interpreten Sjonni Brink überschattet den Auftritt der Isländer, die mit Einverständnis der Witwe nun stellvertretend einen respektablen Cocktail aus Jazz, Folk und Pop/Rock zu Gehör bringen. Und ein bisschen erinnert der Auftritt mit ähnlich positiver Stimmung an Texas Lightning, die beim Grand Prix auch nicht so absahnen konnten wie erhofft. (2 Bananen)
  21. Finnland Paradise Oskar "Da Da Dam" (57)
    Etwas verloren nach der Auftaktshow steht der kleine Plüschboy mit seinen Teddy-Augen auf der ESC-Bühne. Ein naiv-weltverbesserischer Akkustikpopsong mit leichtem Streicher- und Pianoeinsatz legt die Kreuzung aus Nicole und John Lennon nahe. Tut nicht weh, ganz und gar nicht.
  22. Ungarn Kati Wolf "What About My Dreams" (53)
    Rhythmisch mitreißender Discopop aus Ungarn stellt uns Kati Wolf vor. Profitierend von ihrer stimmlichen Reife zeigt sie eine unglaubliche stimmliche Bandbreite mit kräftigen Höhen, die unter die Haut gehen. Vielleicht zu wenig agil in der Show sind leider die Backings etwas schwach. Das scheint hier schon das Zünglein an der Waage gewesen zu sein. (1 Banane)
  23. Spanien Lucía Pérez "Que Me Quiten Lo Bailao" (50)
    Lucía Pérez betritt die Bühne und plötzlich leuchten die Farben. Die lebensfrohe Urlaubshymne Que Me Quiten Lo Bailao hat die im Contest vielleicht stärkste nationale Identität und läd sofort zum Mitschwofen ein. Mit wunderschönem Rauch in der Stimme strahlt sie Gesundheit und Optimismus aus, scheint die Sonne Spaniens förmlich zu bewerben. Nur weil man den Chorus nicht so gut mitträllern kann, sollte man da doch nicht so weit am Sieg vorbeischrammen? Der Affe würde mit Lucía auf der nächsten Pauschalreise sofort im Schatten eines Cocktailschirmchens das haarige Gesäß schütteln. (8 Bananen)
  24. Estland Getter Jaani "Rockefeller Street" (44)
    Es genügt nicht immer, wenn man ein pompöses Püppchen in einer Pappkulisse platziert. Auch nicht, wenn sie Zaubertricks vorführt. Dabei ist Rockefeller Street mit seiner schizophrenen Songstruktur schon fast wieder interessant. Nur fehlen gute Hooks, ein eingängiger Refrain. Getter Jaani ist fatalerweise deshalb nie wirklich gut. Die Strafe folgte berechtigt.
  25. Schweiz Anna Rossinelli "In Love For A While" (19)
    Da hat die Schweiz so große Hoffnungen in diese Vollblutmusikerin mit Straßenerfahrung gesetzt und dann? Anna Rossinelli hat ein so süßes Lachen. In Love For A While verbreitet sofort mit einer starken Melodie und Reggae-Vibes gute Laune. Das ist Akkustik-Pop um im Sommer bei geöffnetem Autofenster den warmen Wind um die Nase zu spüren und den Takt auf dem Lenkrad zu klopfen oder auch einfach entspannt vor dem Grill zu vegetieren. Vielleicht ist es noch nicht Sommer genug? Der letzte Platz ist hier ja nun alles andere als gerecht. (6 Bananen)

Ist nun nach dem Eurovision Song Contest vor dem ESC? Wir werden sehen. Die Quote wird 2012 wohl geringer ausfallen, sei es nur, weil Baku in einer anderen Zeitzone liegt. Doch was ist nach dem Lena-Fieber? Was ist nach der plötzlichen deutschen Begeisterung? Wird es nun wieder ein Casting geben? Was meint ihr? Und wie habt ihr den ESC 2011 erlebt?

Infos und Impressionen erhaltet ihr auf der offiziellen Eurovisions-Seite.

8 Kommentare:

  1. Es war schon früher so, dass sich Nachbarländer (Ausnahme: Deutschland, Österreich und die Schweiz) gegenseitig Punkte zuschoben - heute ist es (Auflösung von Ex-Jugoslawien und Einbezug diverser Staaten der ehemaligen Sowjetunion) noch wesentlich extremer. Deshalb kann es nur äusserst selten vorkommen, dass der beste Song gewinnt, und meistens gibt es gar keinen herausstechenden besten Song. Ich verfolge den ESC bewusst, seit Dana 1970 mit "All Kinds of Everything" das seinerzeit noch die Roben diskutierende Publikum aus den Schuhen hob - und ich nehme mir jedes Jahr vor, mich dem Ding nicht mehr auszusetzen...

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  2. Dass Lena gewinnen würde, war mir von Anfang an absolut unvorstellbar.

    Favoriten von mir waren Irland und Island... und Estland.
    Tja, aber im Vergleich zu ein paar anderen Ländern, war D-Land mit Lena ja noch relativ gut.

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  3. Komischerweise kamen die Jungs aus Moldau bei den Herren der Runde sehr gut an, was wohl auch daran gelegen hat, das bei erhöhtem Alkoholpegel die unkontrollierten Bewegungen wunderbar mit der Musik harmonierten. :D

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  4. ich weiß nicht was ich an Schweden und Dänemark so besonders fand. Aber die Lieder haben mir halt sehr viel besser gefallen, als die anderen.

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  5. Die Testosteron-Tierchen wurden bei diesem Act ordentlich gefüttert.

    Und ich gestehe hätte ich diese Zipfelmützen Kerle morgens im Radio gehört wär ich mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Wohnung gejumpt.

    Aber für's Fernsehen waren sie mir eindeutig zu bekloppt.

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  6. *schmunzel* okay in den seltensten Fällen bin ich schlecht gelaunt, das kann ich wirklich nicht leugnen!

    Und auch das Exoten-Spektrum MUSS beim ESC abgedeckt werden, also sind wir gespannt was die nächsten Jahren noch so kommt!

    Dir noch einen schönen Sonntag!

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  7. Ja, mich hats leider auch erwischt.. Aber irgendwann musste so was ja mal passieren :D

    Mich interessiert der ganze ESC eher weniger. Lena hat mich schon genervt, da fing der ganze Kram erst an.. Als ich gestern kurz reingeschaltet habe, lief gerade Spanien und die fand ich gar nicht so schlecht.. Irgendwie war besonders der Refrain total catchy :D

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  8. Nein, ich helfe den Leuten wirklich gerne und oft, wenn sie mich ansprechen. Das ist immer eine nette Abwechslung. Ich weiß ja auch wirklich wo alles steht :D Ich mag es einfach nicht, wenn Leute so unverschämt sind. Ich behandle die Kunden schließlich auch freundlich und versuche ihnen zu helfen, da könnte der ein oder andere eben auch mal ein wenig drauf eingehen. Aber wer weiß. Jeder hat ja mal einen schlechten Tag.
    Und manchmal muss ich mich einfach mal aufregen :D
    ... Wie alt bist du eigentlich?

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