Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Dienstag, 2. August 2011

Far Cry (2008)

Es grenzt wohl schon an Rechtfertigungszwang sich freiwillig einen Film von Uwe Boll anzusehen, zudem mit Til Schweiger, einem Enfant Terrible des deutschen Films, in einer Hauptrolle besetzt. Genau dies übte einen besonderen Reiz auf mich aus, da ich doch nicht unvorbelastet an die Materie herangehen konnte. Immerhin hatte ich so manch Boll-Werk schon im Fernsehen spätestens nach Einsatz strapaziöser Computereffekte ausgeschaltet.
Doch Far Cry, eine weitere Umsetzung eines Spieles, welches ich aufgrund Modernitätsverweigerung auf diesem Sektor nicht kenne, verspricht als Actionfilm durchaus Potential, welches, ganz ehrlich, vollkommen meinen Hoffnungen entsprach.

Es gab also nur einen Weg, sich von der Vorstellung eines erfüllten Kindheitstraumes Schweigers als bis auf die Sauferei makelosen Draufgängers und Frauenhelden mit versuchtem Bond-Appeal (Austausch von Körperwärme) zu lösen. Es ist schließlich nicht das erste Mal, daß sich Udo Kier für ein Taschengeld als Bösewicht hergibt und Ralf Moeller den schweigsamen Muskelprotz als eine Randerscheinung mimt.
Far Cry ist zwar eine deutsch-kanadische Produktion, jedoch wurde offenbar mit Blick auf den internationalen Markt in englischer Sprache gedreht. Augen zu und durch konnte also nur mit dieser Version eine Entfernung von möglichen Makeln und zusätzlichen Fallen bedeuten.
Tatsächlich hält Boll in Far Cry ein Minimalgerüst an Story bereit. Schnell sind die Figuren auf einer militärisch befestigten Insel zusammengebracht, auf der Dr. Krieger (Kier) genetisch mutierte Supersoldaten züchtet, die man entfernt zur Gattung Zombie rechnen muß, die dem Modell aus Yuznas Return of the Living Dead 3 ähneln. Schweiger gibt dabei den losgesagten Streiter, welcher sich als Bootsführer mit Whale Watching die Brötchen verdient.
Bis ihn halt die Reporterin Valerie (Emmanuelle Vaugier) anheuert, um auf besagter Insel nach ihrem Onkel Max (Moeller) zu suchen.

Nun hat Uwe Boll eine Finanzierung von etwa 30 Millionen Dollar im Rücken, die in den 80ern vielleicht noch großes Budget, heute jedoch schon verschwindend gering wirkt. Ohne sich jetzt über die Kostenstruktur der Filmindustrie zu entrüsten gehen wir doch einfach mal davon aus, daß man mit diesem Kapital einen größeren B-Film hinbekommen kann. Feuerwerken der günstigeren 90er-Schiene steht Far Cry hier definitiv in nichts nach, besticht sogar noch durch ironische bis zynische Sprenkel, die den Film schon eher in eine Tradition des ungehobelteren 80er Actionfilms stellen.
Zwar ist die Montage der Actionszenen zweifelsfrei etwas diffus und die Spitzen mehr bemüht als auf den Punkt gebracht, jedoch ist es eben Far Cry bestimmt, als einer der wenigen Charme des Vergangenen in die zweite Reihe zu holen. Diese sympathische Eigenschaft macht es eigentlich zur Pflicht für Freunde sinnbefreiter Ballerkost, diesem Film eine Chance einzugestehen. Er ist letztlich nicht durchsetzungsfähig, jedoch ein angenehmer Zeitvertreib in einer Form, die aktuelle amerikanische Produktionen oft noch weiter verfehlen.

Originaltitel: Far Cry
Produktionsland: Deutschland, Kanada
Erstaufführung: 02.10.2008, Deutschland
Regie: Uwe Boll
Darsteller: Til Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Natalia Avelon, Michael Paré, Craig Fairbrass, Udo Kier, Mike Dopud, Carrie Genzel, Anthony Bourdain, Ralf Moeller, Michael Teigen, D. Harlan Cutshall u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia

7 Kommentare:

  1. Es gab da mal diese Petition, damit Uwe Boll aufhört, Filme zu machen. Ich habe sie unterschrieben.

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  2. Du musst dich nicht rechtfertigen! Erzähl uns später lieber, wie der Boxkampf gegen Dr. Uwe Boll ausgegangen ist. Ein Tipp: Zahnärzte in Ungarn sollen immer noch verhältnismässig günstig sein. ;)

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  3. @ Judith: Ich auch. Find ich inzwischen aber blöd. Kritik muß man sich als Künstler gefallen lassen, aber die hat formale Grenzen.

    @ Whoknows: Warum muß man für die Erkenntnis des besten Bollfilms bisher boxen?

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  4. Til Schweiger und Uwe Boll, dass kann ja nur genial werden :D

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  5. Du hättest nach Ansicht von Dr. Uwe Boll die Tiefe seines bisherigen Meisterwerks (es wird von "Auschwitz", den ich mir jedoch nicht antue, wohl übertroffen) noch viel intensiver in Worte fassen, zum Beispiel den Vergleich mit der Nouvelle Vague wagen sollen. Sonst: Raus mit des Affenmanns Zähnen! :P

    Das sind so die Gründe, die mich von einer Besprechung des Oeuvres von Dr. Uwe Boll abhalten. Ich wusste übrigens gar nicht, dass Udo Kier noch "lebt". ;)

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  6. Dr. Uwe Boll hat doch vor dieser Petition in einem Interview selbst gesagt, dass er aufhören würde, wenn genug Leute es fordern würden. Deshalb hat diese Petition keine formalen Grenzen überschritten - Dr. Boll hat es selbst so gewollt!

    Und was das Boxen betrifft: Dr. Boll pflegt allzu aufmüpfige Kritiker zu einem Boxkampf herauszufordern, und mindestens einer war so blöd, sich darauf einzulassen. Dr. Boll ist nämlich seit vielen Jahren Amateurboxer. Der Kritiker dachte wohl, das wird eine Gaudi, aber er wurde von Dr. Boll auf die Bretter geschickt. Es gibt ein Video davon bei YouTube, aber ich darf ja hier keine Links posten ...

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  7. @ Whoknows: Vor Boxern so viel Angst ich nicht habe. Überragend mein Sober Monkey Kibotu ist.

    Udo Kier ist doch erst 66. oO

    @ Manfred: Ja genau, deshalb ist es formal ja Blödsinn. Es ist auch nur virales Marketing und hebelt die ernsthafte Kritik vollkommen aus.

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