Horst Tappert ist Perrak, ein harter Knochen und Topmann bei der Sittenpolizei, immer auf Augenhöhe mit seinem Kiez. Als der junge Mann mit den schönsten Paraffintitten der Gegend tot auf einer hamburger Müllkippe aufgefunden wird, geht der Fall an den Kommissar, der an den Widerwärtigkeiten seines Berufs abgestumpft ist. Das Presseheft bewirbt Perrak als pulvertrockenen Sittenreißer. Ein deutscher Film tue endlich einmal das, was bei Franzosen und Italienern üblich sei: Dramaturgie und Atmosphäre würden wichtig genommen.
Alfred Vohrer, der sich seine Stammunterstützung Eva Ebner, mit der er auch an vielen Wallace-Filmen gearbeitet hatte, mitbrachte, hält der Gesellschaft keinen Spiegel vor. Eher blickt er in Perrak auf das zeitgenössische Geschehen durch ein Prisma, welches die sozialen Eigenheiten karikaturistisch zerlegt. Mit Wonne schmückt er die bunten Verheißungen des Rotlichtmilieus aus und konzentriert sich auf das Abseitige in Transenshows oder einem Konvent, dessen Besuchern die Beichte auf sehr reformistische Weise abgenommen wird.
Alle bekommen in Perrak ihr Fett ab, ob der Konflikt zwischen dem Bonzen und der Jugend oder diejenigen, die sich unter Integration vorstellen, einen Afrogermanen in schwarz-rot-güldene Farbe zu tünchen und sie trotzdem wie einen Sklaven zu behandeln. Die Dramaturgie scheint vielleicht doch eher zweitrangig, wenngleich drastisch angefacht durch die Entführung Perraks Sohnes, als der alte Haudegen in ein Wespennest gestochen zu haben scheint.
Die Atmosphäre jedoch wird großgeschrieben in diesem Liebhaberstück für Freunde des harten Sleazekrimis. Bissig, skrupellos und zynisch geht es zu auf diesem Pflaster. Perrak ist der Bluthund der deutschen Genrefilmen so oft gefehlt hat. Ein unerschütterlicher Scharfrichter, der Dirty Harry sogar vorauseilt und der seine eigenen Vorstellung der Erhaltung von Recht und Ordnung hegt.
Originaltitel: Perrak
Deutscher Alternativtitel: Inspektor Perrak greift ein
Produktionsland: Deutschland
Erstaufführung: 24.04.1970, Universum, München, Deutschland
Regie: Alfred Vohrer
Darsteller: Horst Tappert, Erika Pluhar, Judy Winter, Werner Peters, Hubert Suschka, Walter Richter, Wolf Roth, Berno von Cramm, Carl Lange, Arthur Brauss, Jochen Busse u.a.
OFDb, IMDb
vor 9 Stunden
Oh! Das wär echt praktisch, wenn das Kino zu mir kommen würde *g* Schade, dass das (nahezu) unmöglich ist..
AntwortenLöschenHinschleppen wäre allerdings auch eine Möglichkeit.. hmmm. Wo wohnst du? :D Spaß ^-^
Mal gucken.. irgendwann wird sich hoffentlich wieder was ergeben, dass ich Zeit fürs Kino hab.
Endlich habe ich PERRAK auch gesehen und hoffe damit, den Anteil der mir unbekannten Filme hier auf deinem Blog langsam unter 90% zu drücken ;)
AntwortenLöschenPERRAK schließt stilistisch als typischer Vohrer ziemlich nahtlos an dessen späte Edgar Wallace Filme an, nur dass er natürlich 1970 schon einem anderen Kinozeitalter angehört und weit offener die Sleaze-Elemente ausbreitet. Da ist schon ein deutlicher inhalticher Sprung etwa gegenüber DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE feststellbar. Horst Tappert gefiel mir als PERRAK sehr gut. Man hat vielleicht falsche Vorstellungen von diesem Darsteller, wenn man nur seine späten Derrick-Folgen kennt.
Auf jedenfall ein DÖS-Geheimtipp. Dein Review trifft die Stimmung des Films gut, ist aber, vergleichen mit anderen Texten hier, doch ziemlich kurz. Da hätte ich gerne noch mehr gelesen. Ich verstehe aber, dass manchmal die Zeit nur für einen kürzeren Kommentar reicht.
Och, dagegen kann man was tun. Genug Material habe ich ja noch. Ich werde bloß langsam bange, daß sich speziell die Raritäten zu breit bekannten Werken entwickeln, bevor ich sie besprechen konnte. Aber andererseits ist die breite Verfügbarkeit von besonderen Filmen ja auch ein Ziel, welches ich teile.^^
AntwortenLöschenIch finde es übrigens prima, daß du dich als einer der wenigen bemühst, auch ältere Beiträge zu kommentieren. Leider ist es in der Blogszene zur Sitte geworden, sich vornehmlich auf den Texten der Startseite zu verewigen, was einem tieferen Diskurs den Boden rauben kann.
In diesem Fall liegen die Fakten allerdings auf der Hand, weshalb ich mich, um die Reduktion von Geschwafel zumindest bemüht, hier möglichst auf eine Kernaussage beschrenken will. Klar, man könnte von Hü bis Hott Vohrer und Tappert beleuchten, was aus einer Nullperspektive sinnvoll erscheint. Die Tatsache z.B., daß Tappert aber auch schon in Vohrers Sieben Tage Frist einen ähnlich harten Knochen mimte, könnte das Thema aber auch auf einen damit befaßten Text verdrängen.
Es hat also gar nicht unbedingt mit dem Zeitaufwand für die einzelnen Texte zu tun, der eine Informationsdichte bedingt. Ich persönlich kenn ja meine Pappenheimer, die mir dann wieder auf die Finger klopfen, da ich weit weit ausgeholt habe. Auch wenn ich mit meiner Art dann manchmal mehr zum Geschichtenerzähler als zum Filmkritiker tendiere, ist es wohl in etwa ein Gleichgewicht zwischen Ausholen wollen und Prioritäten setzen.
Sag mir, wenn ich da falsch liege, aber meine ganz persönliche Präferenz ist ja tatsächlich, Informationen möglichst knackig zu verpacken und da gibt es einfach noch so einen elendig langen Weg bis zur Perfektion. Theoretisch müßte es doch möglich sein, selbst obigen Text noch um die Hälfte zu reduzieren und trotzdem alles Nötige zu vermitteln.