Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Montag, 28. Februar 2011

Bad Girl - Mord ist keine Lösung (1998)

Wenn Michael Steinberg auf ein einleitendes Kaleidoskop einen wundervoll ästhetischen Blick in ein geometrisch ansprechendes Treppenhaus wirft, ist dies Hinweis genug, daß er ein hohes Gewicht auf den hitchcockianischen, vornehmlich Vertigo-Aspekt und einem Hauch von Im Schatten des Zweifels der Geschichte Wicked - oder im Deutschen etwas steif: Bad Girl - Mord ist keine Lösung - aus der Feder von Eric Weiss legt. Er lebt dies nicht ganz so exzessiv aus wie ein Brian De Palma, betont ferner den Lolita-Faktor und beginnt doch eher wie ein Teenagerdrama.
Ellie Christianson (Julia Stiles) wächst in einer Welt der Scheinheiligkeit auf, bekommt Seitensprünge der Eltern und Scheidungen der Nachbarn in einem eigentlich typischen, amerikanischen Vorort mit. Die aufmüpfige Göre verfügt über einen fertig gepackten, pinkfarbenen Koffer und praktisch jeden Tag ist sie kurz vor dem Ausbruch. Ein Streit mit der Mutter ist Tagesordnung, doch einmal kehrt sie von der Schule heim und alles ist anders - ihre Mutter wurde ermordet.

Bad Girl - Mord ist keine Lösung erzählt von einer besonderen Beziehung zwischen Vater und Tochter, denn Ellie ist nun kein kleines Mädchen mehr. Sie übernimmt Verantwortung für ihre kleine Schwester, zaubert wundervolle Abendessen. Ihr Vater hat ihr ein Schminkset für Anfänger gekauft und in Abwesenheit der Mutter hindert sie keiner mehr daran, dieses auch zu benutzen. In die Kleider ihrer Mom gewandet erblüht das Mädchen blitzschnell zu unerwarteter Reife, was auch dem von seiner Frau verlassenen Nachbarn gegenüber auffällt.
Es ist sicher nicht absolut neu, fraglos aber eine respektable Leistung, wie Julia Stiles zwischen minderjähriger Zicke, frühreifem Luder und durchtriebenem Biest wandelt. In Hoffnung auf die Zuneigung des Vaters geht die Beziehung definitiv zu weit, läßt aber an Stelle von Verurteilungen Spielraum für Gedanken an die Ursachen.

Im Wesentlichen dem Thriller-Genre zuzuordnen präsentiert Bad Girl - Mord ist keine Lösung außerdem die pikante Situation umgebend ausreichend Konflikte und Verdächtige, um die knackige Spielzeit mit Spannung zu erfüllen. Viele Ideen sind sicher spekulativ, werden aber nie so anstößig ausgeschlachtet, daß man dafür Vorwürfe machen könnte. Für so eine kleine Produktion ist der Film durchaus beachtenswert und ansprechend ausgestaltet. Selbstverständlich den Blick hinter die bürgerlichen Fassaden über die Identifikationsmöglichkeiten mehr manipulativ als aufklärerisch nutzend, handelt es sich um ein Werk, auf welches man sich einlassen muß, das aber durchaus zu überraschen in der Lage ist. Gerade weil er so aufgemacht ist wie ein Teen-Film, damit aber nicht allzuviel zu tun hat.

Originaltitel: Wicked
Deutscher Titel: Bad Girl - Mord ist keine Lösung
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 17.01.1998, Sundance Film Festival, Utah, USA
Regie: Michael Steinberg
Darsteller: Julia Stiles, Louise Myrback, William R. Moses, Chelsea Field, Vanessa Zima, Patrick Muldoon, Linda Hart, Casey Rion, Michael Parks, Patrick McTavish, Connie Blankenship, Venessa Verdugo u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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