Obwohl 1973 Hammer schon selbst nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne waren, war seinerzeit offenbar noch genügend Raum für weitere Gruselkost von anderen Companies aus Großbritannien. Daß es in Frankensteins Horror-Klinik im Original eigentlich gar keinen Frankenstein gibt, spielt hier keine so große Rolle, denn immerhin leitet ein waschechter Mad Scientist diese psychotherapeutische Filmsitzung. Einen Genreknacks benötigt der Zuschauer möglicherweise auch, um sich an diesem eigenwilligen Feuerwerk oberflächlichen Action-Horrors zu erfreuen.
Tiefsinnig wird es selbstverständlich nie. Dafür läd die flotte deutsche Synchro mit Tommi Piper als sexhungrigem Gammler und dem Antagonisten gesprochen von Christian Marschall, der in Genreproduktionen sowohl als Christopher Lee (Dracula - Nächte des Entsetzens - 1. Synchro) und Peter Cushing (Asylum - Irrgarten des Schreckens) eingesetzt wurde, mit einigen zusätzlichen Schenkelklopfern ein.
Es hat etwas von einem Proto-Hostel-Streifen, wenn der Anlaufpunkt für Jugendliche, darunter der von Piper gesprochene Protagonist, ein entlegenes Anwesen ist, welches in Zeitungsanzeigen als Sexcamp ausgegeben wird. Hauptdrehort für Frankensteins Horror-Klinik war übrigens das Knebworth House in Hertfordshire, welches auch unter anderem für die Außenaufnahmen des Wayne-Wohnsitzes im 89er Batman-Film genutzt wurde. Dahinter verbirgt sich natürlich ein Wissenschaftler, der - Achtung Parabel - die Gehirne der Jugendlichen manipuliert und sie so zu ausnahmslos hörigen Gefolgsleuten seinen Willens macht. Wer aufmuckt, wird sogleich von einem eigenen Polizeitrupp in Motorradkluft nebst Helm niedergeknüppelt.
Mal davon abgesehen, daß eine Luxuslimousine als rasende Guillotine mißbraucht wird und es eine monströse Steigerung zu dem Anstaltsalltag gibt, hat Frankensteins Horror-Klinik nicht viel mehr zu erzählen als von Besuchern, die unbequem bis unerwünscht werden, wie es ja durchaus bei diesem Sujet zu erwarten ist.
Goldig hingegen sind die unterschiedlichen Figuren, vom zombiehaft-abwesenden Bahnhofsvorsteher bis zum kleinwüchsigen Hausdiener, so daß mit ein paar wenigen Streuseln Erotik und eben der locker-flockigen deutschen Umsetzung in einem, wenngleich dem guten Geschmack fernen, Werk die wankelmütige erzählerische Dynamik reibungslos überspielt wird. Man muß freilich offen für einen Gruselfilm sein, der des Schreckens nicht mehr zu bieten hat, als ein paar plumpe, grafische Expressionen und sich an der Kurzweil drumherum zu laben in der Lage sein.
Originaltitel: Horror Hospital
Deutsche Titel: Frankensteins Horror-Klinik, Frankensteins Horrorklinik, Madhouse
Produktionsland: Großbritannien
Erstaufführung: 1973, Großbritannien
Regie: Antony Balch
Darsteller: Michael Gough, Robin Askwith, Vanessa Shaw, Ellen Pollock, Dennis Price, Skip Martin, Kurt Christian, Barbara Wendy, Kenneth Benda, Martin Grace, Colin Skeaping, George Herbert u.a.
OFDb, IMDb, Wikipedia
vor 9 Stunden

Den finde ich in seiner Abseitigkeit richtig goldig. Regisseur Balch hat früher auch mit William Burroughs abgehangen und wer weiß was für Substanzen ausprobiert. Unbedingt erwähnen muß man auch die Leistung von Michael Gough, der als Mad Scientist - wie eigentlich immer - absolut fabelhaft ist.
AntwortenLöschenSchön, daß du Michael Gough ins Spiel bringst. Ich verbinde ihn eher mit Alfred, bin aber gerade auch erst wieder dabei, die alten, englischen Horror- und Science-Fiction-Filme zu entstauben. Wenn ich diese gesehen habe, dann ist es meist um die 20 Jahre her, insofern habe ich da keinen konkreten Vergleich.
AntwortenLöschen"Substanzen" soll es ja laut Wikipedia auch spätestens am letzten Drehtag zu Frankensteins Horror-Klinik gegeben haben. Wäre schon interessant, welchen Einfluß der Rausch hier gehabt hat. Geordneter als in Balchs anderen (Kurz-)Filmen dürftte es aber hier wohl zugehen? Diese stehen bei mir nämlich noch aus.
Ja, die Kurzfilme sind freilich sehr experimentell. Irgendwo dazwischen und ebenfalls sehenswert ist sein EROTIC TALES FROM THE MUMMY'S TOMB, über den ich demnächst was schreiben werde...
AntwortenLöschenOh ja bitte! Ich weiß nämlich immer noch nicht, ob der was für mich ist, oder nicht. :D
AntwortenLöschenIch denke, der dürfte dir schon gefallen, er ist, passend zum Alternativtitel, reichlich bizarr. Mein Review findest du hier: http://hardsensations.com/2011/01/bizarre/
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