Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare  und Analysen
Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Samstag, 5. März 2011

Phönix - The Warrior (1988)

Festhalten, der Erzähler schickt uns in die Endzeit! Nach einem bakteriologischen Holocaust sind also nur noch Frauen übriggeblieben. Ein Blick auf die unterschiedlichen, aber inhaltlich doch das Gleiche verheißenden Motive des deutschen Tapes von Highlight oder der qualitativ mal wieder etwas dürftigen Echo Bridge DVD stimmt auf prima Action für den Herren ein. Knapp bekleidete Girls with Guns, yippie! Und flugs begrüßt uns Phönix - The Warrior mit einer Buggy-Hatz im Mad Max-Stil. Doch, ürgs, was macht denn dieser weibliche Bastard aus Skeletor und dem Imperator dort? Reverend Mother (Sheila Howard) verfügt nicht nur über einen Blubberschlauch zwischen Hals und Kopf, sondern ist auch die totalitäre Alleinherrscherin dieser verwüsteten Welt. Ihre Ladies scheinen aber mit ihrer Besamungspolitik nicht einverstanden zu sein, denn Keela (Peggy McIntaggart) trägt den für eine fortlaufende Bevölkerung so wichtigen Sproß in ihrem Leib und schafft es bei dieser Gelegenheit auszukneifen.
Zur Seite steht ihr spontan die Sandjägerin Phönix (Kathleen Kinmont, bekannt aus Halloween 4 und als Cheyenne Phillips in Renegade), die mit dicker Wumme die Zahl blutiger Einschüsse nach oben treibt. Vielversprechenderweise trägt sie auch ein Katana, welches jedoch nach unspektakulärem Einsatz in Vergessenheit geraten wird. Man ist vielleicht zu sehr vom ästhetischen Stil japanischer Kämpferinnen verwöhnt. Auf der Flucht durchqueren die beiden Mädels eine Schlucht, wo dickbrüstige Kampfamazonen ihre nackten Tatsachen unter einem Wasserfall ins Sonnenlicht räkeln. Videothekenschlock mit Grindhousegeschmack, das gefällt.

Nachdem die so gar nicht schwanger wirkende Keela nun aber ihr Kind umgehend im Lager dieser Schönheiten zur Welt gebracht hat, vergisst Regisseur und Autor Robert Hayes, der in heutiger Zeit eher als Kameramann für Filme wie Pit Fighter bekannt ist, langsam aber sicher, für welches Publikum er hier eigentlich dreht. Die Kampfchoreographie wird schwächer, beruft sich nur noch selten auf die ganz nett gemachten Special Effects, sondern beläßt es bei manchmal zu ungelenken Acting. Er scheint hingegen seine Story ernst zu nehmen, die jedoch nur aus Flucht und Flucht und Flucht besteht, denn Phönix und Keela samt Sohn, ja, Freude, es ist ein männlicher Nachkomme, werden verfolgt und verfolgt und verfolgt, versuchen sich in die Badlands abzuschlagen.
Phönix - The Warrior ist zwar durch ein riesiges Cast aus Frauen hervorzuheben, die hier wirklich jeden Geschmack bedienen, jedoch bestechen die ambitioniert streitenden Schönheiten viel mehr durch ihren tappsigen Charme als mit ihren Reizen, die in der staubigen Einöde allerdings oftmals auch durch unscheinbare Garderobe nicht richtig zur Geltung kommen, es gibt ein paar wenige Ausnahmen. Trotzdem wird zum Beispiel das wirkliche Potential der Episode, in der Phönix zu Gladiatorenkämpfen genötigt wird, weitestgehend verschenkt und das hat mit Teasing nichts mehr zu tun, sondern mit Geiz, denn dafür, daß der Film in den USA nur unrated zu haben ist, bietet er erstaunlich wenig.

Als offensiv ist sicherlich zunächst Phönix' Verhalten zu beschreiben, als sie in einer Hütte versteckt einen Mann niederstrecken. Sie geht dem ohnmächtigem Glückspilz gleich mal an die Eier, freut sich selbst wie ein Schneehuhn, bis sie feststellt, daß sie ihr neues Spielzeug schon zerstört hat. Naja, Glück gehabt, der Gute erwacht noch wieder aus seiner Narkose, doch die Kampfhandlungen verhindern eine weitere Interaktion. Völlig unverständlich aber, daß sich später Keela an den Typen heranwagt und es zwischen den beiden Mädels nicht mal zum Zickenkrieg kommt. Ganz schön gleichgültig die Frauen der ungewissen Zukunft und das, obwohl sie doch weit und breit keine Alternative finden. Ok, mit Schnurrbart und Halstuch sieht der Mann auch etwas... anders orientiert aus. Interessant wäre hier übrigens sein Hintergrund gewesen, scheint er doch Erfahrungen mit der genetischen Forschung von Reverend Mother zu haben, aber Phönix - The Warrior ist nun mal zufällig die Art von Film, die uns mit einer tiefgründigen Beleuchtung der Figuren nicht belasten wollen.
Über die Darstellung des Herren sollte man dennoch einmal genauer nachdenken, sind die Frauen dieser Welt nicht nur auf den Samen angewiesen, sondern flehen Keela und Phönix ihren neuen Kameraden quasi um Hilfe an, was irgendwie den Eindruck erweckt, daß diese so kampfesstarken Maiden plötzlich nicht so sehr von einer Emanzipation überzeugt sind. Witzigerweise erwacht auch just in des Mannes Hütte die Diva in Phönix, als sie zu verstehen gibt, wie sehr sie es haßt gejagt zu werden. Ob wir hier wohl auf andere, als die erwartete Art und Weise die maskuline Federführung des Scripts erleben?

Es ist ein Kreuz. Kaum scheint ein Film wirklich in eine Kerbe schlagen zu wollen, die so sträflich vernachlässigt wird, dann ist er nicht mal schlecht genug, um auf diese Schiene für Unterhaltung zu sorgen. Gleichzeitig ist Phönix - The Warrior aber auch als Film noch deutlich respektabler als ein Barbarian Queen, der zwar mit seiner Mischung aus Schwertkämpferin und WIP punkten kann, jedoch mit weit extremerer Stupidität für Strapazen sorgt. Hayes' Film ist nicht gut und nicht schlecht genug, damit Durchschnitt. Es wird langsam Zeit, daß sich die Studios in ihrem Remake-Wahn auf diese Art Film stürzen und eine Neuinterpretation in Cinemascope hinlegen, die den oft vielversprechenden Artworks gerecht wird. Bis dahin lassen wir unsere Phantasie spielen und träumen beim leichten Plätschern dieser Vollbildrelikte von dem, was mit ein bisschen Passion und Talent hätte werden können.

Originaltitel: Phoenix - The Warrior 
Deutscher Titel: Phönix - The Warrior
Produktionsland: USA
Erstveröffentlichung (Video): 31.10.1988, USA
Regie: Robert Hayes
Darsteller: Persis Khambatta, Kathleen Kinmont, Peggy McIntaggart, James Emery, Sheila Howard, Nina Jaffe, Courtney Caldwell, Skyler Corbett, Laurie de Nuccio, Linda Santo, B.B. Bowen, Karen Russell u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Was ist deine Meinung dazu? Dein Kommentar ist herzlich willkommen und sogar erwünscht. Ich freue mich auch über nützliche Hinweise und Verbesserungsvorschläge.
Da nicht jeder Internetnutzer so vernünftig ist wie du, werden Kommentare grundsätzlich erst freigeschaltet.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

Intergalaktische Reisepassagiere lesen gerade: