Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Die Rache der schwarzen Spinne (1958)

Regelmässige Leser entsinnen sich, daß ich bisher an Bert I. Gordon nicht so viel gute Haare gelassen habe und auch Jack Arnolds Monsterfilmklassiker Tarantula doch relativ kritisch gegenüber stehe. Nun gibt es ja noch Gordons Spinnenfilmvision, die jeher ein Schattendasein fristet. Und was passiert kurioserweise? Der alte Affe findet Die Rache der schwarzen Spinne Bombe!
Zack! Ein Toter. Und mal im Ernst, wenn ein Teenagerpärchen im Hot Rod auf die Suche nach dem verschollenen Daddy geht, der seiner Prinzessin doch ein Geschenk besorgen wollte, dann ist man doch sofort im Banne dieses offensichtlichen Campy Creature Features. Wer hätte gedacht, daß ein auf dem Wege liegender Tampen, fraglos eine hundsgemeine Straßenfalle, irgendwie mal den Kreis zu einer Monsterspinne schließt?

Es läuft alles nach Handbuch bei dieser Samuel Z. Arkoff Produktion aus dem Hause American International Pictures. Die Rache der schwarzen Spinne ist was die Figuren angeht vielleicht das Maximum Stupidum des ganzen Genres, immerhin zieht es die schwer auf die 30 zuschreitenden Teenager flugs am Autowrack des Vaters vorbei in eine Höhle deren Betreten strengstens, aber sowas von, untersagt ist. Drinnen sieht es klasse aus, muß man vermelden, Tropfsteine und Skelette rocken, das Klettergerüst, pardon, Spinnennetz, dann weniger. Dafür schockiert der Kurzbesuch der lebensechten Riesentarantel, welche zu Vokalartistig zwischen abgestochenem Schwein und kehlkopfkrebskranker Großmutter tendiert.
Good Golly, nachdem die Zeche mit einer Unsumme Fersengeld vergolten wurde, kommt Auteur Gordon zurück auf den Kern des Pudels, will sagen, begründet, warum infantile Monsterfilme wie Die Rache der schwarzen Spinne in Geekkreisen gut ankommen. Weil die Klugscheißer eben verdammtnocheins recht haben, was der Wannabe-John-Wayne-Type-of-Character Sheriff natürlich nicht einsieht, dafür mit äußerst memorabel-trockenen Onelinern garniert. Und als dieser dann überzeugt doch dafür wortkarg das DDT ranholt, scheint die Sache geritzt und die Tarantel ein Fall für die Forschung. Ende.

Wenn da nicht die Kids wären, denen es nach Rock'n'Roll dürstet. Der Proberaum befindet sich selbstverständlich in genau der Lagerhalle, die der Spinne zur Aufbahrung dient. Und dieser Sound, der weckt wahrlich Tote auf. Das Biest bringt die Backsteinbude zum Beben. Die Teens rennen um ihr Leben und die Situation gerät außer Kontrolle. Mir persönlich gefallen die von wahnsinnig unheimlichen Geräuschen untermalten Szenen in der Kleinstadt schlicht viel besser als Vergleichbares in Tarantula. Man schenkt sich nicht viel und Die Rache der schwarzen Spinne glänzt eben besonders durch einen Plot, der so sinnvoll ist wie mit einem Kochlöffel angeln zu gehen.
Nicht der Film, sondern die Handlungen der Figuren sind so infantil und wenig durchdacht, daß es diesem Prunkstück kitschiger Kreaturenkunst nur zu einer Hochglanzpolitur verhelfen kann. Jeder Moment ist großartig im Timing und sei es nun geschicktes Product-Placement für andere Filme Bert I. Gordons oder Details wie die kongeniale Gay Mattress Company, es läuft einfach überall rund. Wozu bedarf es denn einer möglichst komplexen Hintergrundgeschichte, wenn man eine einzelne Kreatur auch einfach so auf die Menschheit loshetzen kann? Und einen politischen Subtext kann man schließlich auch noch daraus lesen, wenn die Amerikaner einem Problem, dem sie ansonsten nicht gewachsen sind, mit Elektroschocks begegnen.

Wer Die Rache der schwarzen Spinne wählt, wird keine Überraschungen erleben. Und das ist doch genau das schöne an diesem Barren Trashgold. Wer einen Monsterfilm schaut, hat bestimmte Erwartungen. Alles, was man sich von einem 50ies-Monster-Drive-In-Flick wünscht ist irgendwie enthalten. 72 Minuten ohne Langeweile, einfach durchdrehen, mitgehen und Spaß haben. Deluxe!

Originaltitel: Earth vs. The Spider
Deutscher Titel: Die Rache der schwarzen Spinne
Produktionsland: USA
Erstaufführung: September, 1958, USA
Regie: Bert I. Gordon
Darsteller: Ed Kemmer, June Kenny, Eugene Persson, Gene Roth, Hal Torey, June Jocelyn, Mickey Finn, Sally Fraser, Troy Patterson, Skip Young, Howard Wright, Bill Giorgio u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

4 Kommentare:

  1. Ich mag ja liebend gern solche alten Trashmonsterfilme...einfache Kost aber sie erfreut einem doch immer wieder. Übrigens tolles Review genau wie die anderen hier, toller Blog insgesamt! :D

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  2. Das freut mich. Zum Glück ist mein Fundus zum Thema groß genug, um das auch noch länger beackern zu können. Auch wenn ich stetig Besserung gelobe auch mal was anderes zu bringen. :D

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  3. Also ich persönlich finde das, was Du hier bringst durchaus super und wenn es tatsächlich sehr viel anders wäre, dann wäre das schade. Ich persönlich bin bei Gordon auch meist eher skeptisch - und das m.M. nach zu Recht, aber eben auch nur meiner Meinung nach - aber dieser Film ist ihm gelungen, macht echt Spaß ! Und dank Anolis ist die DVD, die ich grade gesehen habe, selbstredend wieder mal top !

    Gruß,

    Fynn

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  4. Das ist doch mal ein dickes Lob. Vielen Dank!

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