Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

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Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Samstag, 4. Dezember 2010

Ohne dich wird es Nacht (1956)

Als Draufgänger, imposante Erscheinung und Meister der Selbstinszenierung bezeichnet man Curd Jürgens, doch wie er sich nicht lang nach seinem internationalen Durchbruch in Des Teufels General selber in Ohne dich wird es Nacht in Szene setzt, hat so gar nichts zu tun mit einer Figur, die man als Lichtgestalt beschreiben könnte.
Als Dr. Kessler gibt Jürgens einen Anwalt und Morphinisten, was die beruflichen Erfolge durch eine Schwäche überschattet. Seine Seele langsam vor einer Frau entblätternd gibt er zu, im Gerichtssaal nicht frei sprechen zu können, in die Stotterei seiner Kindheit zurückzufallen. Durch Zufall habe er bei einer Gallenreizung mit Morphium behandelt erfahren, wie er getreu der Sage mit seiner Stimme das Meeresrauschen zu übertönen in der Lage ist.

Die Frau, der er zu früher Stunde eine griesgrämige Moralpredigt gehalten hatte, läßt ihn nun nicht fallen, sondern heiratet ihn. Kessler begibt sich in den Entzug, ist jedoch unsicher und droht auch nach seiner Entlassung jederzeit rückfällig zu werden. Curd Jürgens brilliert neben des eindrucksvollen Anfangsbildes eines Süchtigen, der seine Spritze vorbereitend den diabolisch verzerrten Schatten seiner Selbst an die Wand wirft, in einem Wechselbad aus Zusammenbrüchen und hoffnungsvollen Momenten, die in Sekundenschnelle durch die Magie des Schnittes in einen aufgebracht durch das Zimmer tobenden Wahn umschlagen.
Ohne dich wird es Nacht zeigt die Morphiumsucht in verschiedenen Milieus. Dr. Kessler eher in der oberen Schicht, während ein ehemaliger 6-Tage-Rennfahrer dem Verfall nahe zu Rezeptfälschungen greift und nun droht für den Überfall einer Apotheke eingebuchtet zu werden. Kessler erliegt auch bei diesem Versuch der Vertretung vor Gericht seinen alten Leiden, kann die Sucht nicht überwinden. Schweren Herzens übergibt ihm seine Ehefrau eine Ampulle und der Anwalt kann seine Gedanken ordnen.

Die Rolle der Ehefrau, verkörpert von Eva Bartok, Jürgens dritte Angetraute, ist ein starker Impuls für Kessler. Ihre Liebe bringt ihn überhaupt soweit, sich seinem Problem zu stellen. Jede andere wäre schon längst weggelaufen erklärt er seinem Vater, dem er gerade seine Sucht gebeichtet hat. Selbst jedoch am Ende ihrer Kräfte will Kesslers Frau sich mit der Bösen Seite ihres Mannes anfreunden und ganz so leben wie er.
Das Besondere an Ohne dich wird es Nacht ist nun, daß zwar ein Happy End angedeutet wird, indem sich Kessler erneut in Therapie begibt, jedoch wird die Hoffnung dem Zuschauer überlassen. Curd Jürgens schönt nichts daran, daß die Drogensucht einen Menschen verzehrt und oftmals seine Angehörigen mehr als nur belastet. Er benötigt keine Ekelszenen wie ein Trainspotting, um klarzustellen, wie erbärmlich dieses Leben ausfällt, wie wenig Würde einem Menschen noch bleibt, der sich in Ausreden verstrickt und unter Tränen bettelnd zu Boden wirft.

Ohne dich wird es Nacht ist nicht nur ein viel zu schwermütiges Melodram, um seinerzeit den Erfolg bei einem sich selbst durch eine Flucht in schöne Scheinwelten betäubenden Publikums erlangen zu können. Auch das Thema der Drogensucht hatte nicht unbedingt die Öffentlichkeit, wollte vielleicht auch gar nicht wahrgenommen werden. Heute würde man dem Drehbuch von Walter Forster möglicherweise auch mehr Details zu seiner Begründung im Verhältnis zwischen Vater und Sohn abverlangen.
Wie sich Curd Jürgens aber um Leib und Leben spielt, ja eben nicht zu schade ist, in Abgründe zu tauchen, die seinem Image nicht wirklich entsprechen, das ist unbedingt sehenswert und seinen ernsthaften Absichten dieser Inszenierung anzurechnen.

Originaltitel: Ohne dich wird es Nacht
Produktionsland: Deutschland
Erstaufführung: 17.08.1956, Deutschland
Regie: Curd Jürgens
Darsteller: Curd Jürgens, Eva Bartok, René Deltgen, Leonhard Steckeu, Wolfgang Neuss, Ursula Grabley, Hedwig Wangel, Karin Evans, Ernst Schröder u.a.


OFDb, IMDb

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