Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare und Analysen

Intergalaktische Filmreisen: Kritiken, Empfehlungen, Kommentare  und Analysen
Das Videoregal... unendliche Weiten... ein Affenmensch stellt sich den unerbittlichen Attacken der Filmindustrie. Ein Forschungsprojekt über Blu-ray Disc, DVD, VHS und Kino. Garantiert antizyklische Reviews aus dem All.

Montag, 20. Dezember 2010

Paganini Horror - Der Blutgeiger von Venedig (1989)

Der für das italienische Fernsehen gedrehte Paganini Horror ist ein anschauliches Beispiel für das Ende des italienischen Kinos, welches durch einen Umbruch der Vermarktungsstruktur hin zu Videoproduktionen und am Ende der 80er nahezu ausschließlich noch durch die Sendeanstalten finanzierter Projekte von einer einzigartigen Mischung aus unterhaltsamem Schund und großartigem Handwerk mit einem Gespür für memorable Momente fast gänzlich in Ramazottis Resterampe der lieblosen Geistesblitze mündete. Selbst der nicht gerade für seine feingeistigen Stoffe bekannte Luigi Cozzi hat seiner Karriere hier kaum einen Gefallen getan.
Dabei ist der Ausgangspunkt, so hanebüchen es klingt, gar nicht so marodes Fundament. Filme wie Das Tier II und Slumber Party Massacre II konnten erfolgreich eine 80er Rockband in ein entfesselt surreales Trashgewand hüllen. Cozzi transponiert diesen Aufhänger lediglich ins Italienische, so daß eine Rockband eben über eine obskure Quelle (Donald Pleasence in einer undankbaren Nebenrolle) eine verschollene Partitur des Teufelsgeigers Paganini erwirbt und intoniert. Den satansdienenden Violinisten im dazugehörigen Musikvideo nachahmend fährt alsbald ein Mörder in dieser Gewandung ein Stilett aus seinem Instrument, um alle unwürdigen abzuschlachten.
Abgesehen vom zu grellen Einsatz der Farbfilter, die auf modernem Material nicht die majestätische Anmut früherer Werke eines Mario Bava oder Dario Argento annehmen können, hat das Drehbuch nicht einmal genug Ideen zu bieten, um die übrigen der mit kopiertem bis strapaziösem Rockkitsch angereicherten 80 Minuten auszufüllen. Dialogreiches Kopfzerbrechen und junge Erwachsene auf der Flucht müssen ausreichen, bis der einmal heraufbeschworene Blutgeiger sein Werk aufnehmen darf, wovon man allerdings wenig zu sehen bekommt.
Ausgerechnet die gelungenste Szene schreibt Cozzi dann auch noch als quasi Film im Film Pietro Genuardi in der ironisch angelegten Rolle des Regisseurs Mark Singer zu. Ein enttäuschender Fall für die Vorspultaste.

Originaltitel: Paganini Horror
Deutscher Titel: Paganini Horror - Der Blutgeiger von Venedig
Produktionsland: Italien
Erstaufführung: 06.06.1989, Italien
Regie: Luigi Cozzi
Darsteller: Daria Nicolodi, Jasmine Maimone, Pascal Persiano, Maria Cristina Mastrangeli, Michele Klippstein, Pietro Genuardi, Donald Pleasence u.a.

OFDb, IMDb

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